„Wo fahren wir hin, Papa“ – Jean-Louis Fournier November 1, 2009
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Am Ende des Buches – meines Exemplars – findet man zwei leere Seiten, wohl für die Werbung der Zukunft geschaffen oder gar ein kleiner Beweis, dass selbst dann, wenn eine Geschichte ihr Ende gefunden hat, doch nicht selbiges sein muss?
Auf jeden Fall bäten diese Platz für ein offenes, freies und herzliches Nachwort, dass Lesern, Redakteuren, Kritikern und vielleicht sogar dem Autor selbst erklärt, warum man die zuvor gelesenen Blätter nicht so einfach kritisieren sollte, sondern sich daran machen soll, den Kern und seinen Inhalt aufzu- und zu erarbeiten.
Stunden des Unterrichts könnten dafür aufgebracht werden, das zu analysieren, was Herr Jean-Louis Fournier zu Papier und dtv in die Buchhandlungen brachte.
Zum reinen Lesen des Buches benötigt man nicht zu lange. In meinem Fall waren es etwas weniger als 30 Minuten, doch bedeutete dies nicht, dass es anschließend gleich zur Seite gelegt worden ist.
Die Zeitung „Le Monde“ könnte es nicht treffender schreiben, als es das Zitat auf der rückwärtigen Seite des Einbands Preis gibt:
„Man sollte dieses Buch nicht nacherzählen. Das würde ihm nicht gerecht werden. Der Einzige, der die richtigen Worte für diese Geschichte finden kann, ist Jean-Louis Fournier.“
Nun möchte ich Euch dennoch einen groben Umriss des Inhalts und der handelnden Personen geben, um dann nach ausrichtender Betrachtung (m)ein Fazit zu präsentieren, das selbst jetzt noch nicht bekannt ist.
zum Autor:
Jean-Louis Fournier ist Franzose, Komiker, Regisseur, 1938 geboren, Autor des vorliegenden Romans „Wo fahren wir hin, Papa“ und Vater zweier Söhne, die nicht wie die anderen sind.
das Buch:
Sie, und somit neben dem Autor selbst Protagonisten dieses Romans, sind keine kleine Haudegen, Racker, sondern zwei Jungen – schwerstbehinderte Söhne eines Vaters, der sich dieser Herausforderung gleich im Doppelpack stellen muss.
Selbst für ihre Eltern kommen sie nicht an jene vollkommene kleine Geschöpfe mit jeweils 10 Fingern und 10 Zehen heran. Sie rufen nicht jenes Entzücken in ihren Betrachtern hervor, dem man sonst immer in diversen Geburtsstationen lauschen kann. Sie sind … anders.
Und der Vater gibt nun in kurz gehalten Kapiteln Einblick in ein Leben mit seinen Söhnen. Ein Leben voller Verlust – die Frau ist später der Herausforderung nicht länger gewachsen und verlässt ihn, ein Sohn stirbt nach überstandener schwerer Operation,… – aber auch voller schöner Momente, die er niemals missen wollte.
Selten wird in einem Buch zu diesem Thema – das wohl doch zu den Tabuthemen zugehörig sein wird – verfasst, noch seltener kommt es zu einer Veröffentlichung. Rar sind Bücher und die dazugehörigen Autoren, die bereit sind, das auszusprechen, was man meist verdrängt oder wovor man seine Augen verschließt.
Hier spricht ein Vater schwerstbehinderter Kinder von Hass, Liebe, Mut, Scham, Reue,… und spricht die Gedanken manchmal auf eine Weise aus, die anderen wohl nicht so behagen werden. Denn wer will schon aus erster Hand erfahren, dass man keineswegs glücklich darüber ist, etwas so unperfektes „geschaffen“ zu haben.
Hier paart sich bitter schwarzer Humor mit Überdrüssigkeit, Verdruss, Angst, Liebe,… Momente voller Gram und Schande werden durch andere voller persönlicher Gedanken an die beiden Söhne abgelöst.
Und gerade unter diesen vielen Zeilen findet man auch welche, die den Leser annehmen lassen könnten, dass Jean-Louis Fournier nur an der Oberfläche seiner Psyche und seiner Erfahrung kratzt und noch etwas tieferes und schwärzeres begraben ist. Ist es das Gefühl der Schuld, weil seine Söhne nicht wie die anderen sind, oder ist es die Angst vor seinen Fehlern?
Gerade diese Aspekte und Fragen bleiben jedoch ungeklärt, wer zwischen den Zeilen liest, erfährt jedoch, dass Jean-Louis’ Liebe für seine Söhne auf eine etwas andere Weise grenzenlos ist.
Fazit:
Es ist ein Buch, das polarisiert. Für manche ist es ein großartiges Werk, das schon lange überfällig ist, andere bemängeln den Umfang, loben aber den Gedanken, der dahinter steckt.
Nun könnte man wohl denken, dass nur dann dieses Buch kritisieren sollte, wenn man verstehen kann, was Jean-Louis Fournier durchgemacht hat. Ich habe wenig Erfahrung mit den Aufgaben von Eltern mit behinderten Kindern. Ich habe öfters (man kann es wohl nicht oft oder gar regelmäßig nennen) Kontakt mit Personen mit Behinderung. Und ich denke, aufgrund der Tatsache, dass Jean-Louis dieses Buch verfasst hat, zeigt, dass es an der Zeit ist, dass Büchern dieser Art Beachtung geschenkt wird.
Prädikat lesenswert und anregend zum Nachdenken.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Où on va, papa ?
- ISBN: 978-3-492-26330-6
- VERLAG: dtv premium Verlag
„Der Seher des Pharaos“ – Pauline Gedge Oktober 14, 2009
Posted by besue in Romane & Erzählungen, Romane und Schmöker.Tags: Ägypten, Bücher, Buch, Leben, Romane & Erzählungen, Romanreihe, Tod
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Es gibt manche Dinge, die halten nicht, was sie versprechen. Oder versprechen mehr, als man auf dem ersten Blick sehen kann und will.
Zuerst aber einmal zur Autorin
Pauline Gedge, im Jahre 1945 in Auckland (Neuseeland) geboren, wurde schon im sechsten Lebensjahr zum ersten Mal zur Weltenbummlerin und verbrachte 8 Jahre in England, um später ihre Zelte in Alberta (Kanada) aufzuschlagen.
Ihre Werke – sie scheint doch ein Faible für die ägyptische Geschichte zu haben, spielen meist rund um das Land des Nils und wurden mittlerweile schon in 18 Sprachen übersetzt.
Und irgendwie scheint die gute Frau auch einen gewissen Nerv getroffen zu haben, denn die Bücher von ihr verkaufen sich in der ganzen Welt millionenfach.
Das neueste Buch,
… das nun in deutscher Sprache hierzulande um ein paar Euronchen erstanden werden kann, ist „Der Seher des Pharaos“ und handelt vom begabten, wie auch zu Beginn verzogenen Schüler Huy. Obgleich in einer doch mittelständigen und so wohl eigentlich bodenständigen Familie geboren, weiß der Junge in seinen jungen Jahren sehr wohl, dass es noch immer jemanden gibt, über dem er stehen kann. In den meisten Fällen ist es die Tochter der Dienerin seiner Eltern Hapsefa – Ischat, ein kleines, freches, wie direktes und ehrliches Kind. Was er an ihr und an den eigenen vier Wänden hat, erkennt der Junge erst, als er in die Tempelschule nach Iunu geschickt wird. Obgleich ihm somit eine große Ehre zuteil wird, ist er wohl in den ersten Momenten nicht so glücklich über die Entscheidung seiner Eltern und dem „Sponsoring“ seines Onkels Ker. Doch schon bald – angekommen in dieser „neuen Welt“ – erkennt der Junge, das er nun sein Wissen erweitern kann und vieles lernen wird, was ihm ermöglichen wird, ein gutes Leben zu führen. Wobei natürlich auch die kleinen Fehltritte nicht vergessen werden können, und so landet der kleine Huy einmal wo, wo er eigentlich nicht hingehört, aber später noch öfter seinen Weg hin finden wird.
Natürlich gibt es in jeder Schule – so auch zu jenen Zeiten anno dazumals – ein paar kleine Widersacher, die mit niemanden als mit anderen Haudegen befreundet sein können, und vieles anderen neiden ohne zu erkennen, wie gut sie es selber haben. So auch Sennefer, der das Wurfholz nach dem jungen Huy wirft und ihn so tötet. Doch die Götter des Olymps – pardon – über Ägypten haben etwas besonderes mit Huy vor und bringen ihn zurück ins Leben, wo auf Huy – nun ausgestattet mit der Kraft des „Sehens“ – noch großes wartet.
Was dies alles sein wird, bleibt zum größten Teil noch offen, denn die Geschichte beschränkt sich auf die ersten 18 Lebensjahre des jungen Huys und lässt somit schon bald erkennen, dass die Autorin auf eine weitere Reihe hinarbeitet. Nun ist es leider so, dass es mitunter ein paar langatmige 18 Jahre sind und dies mitunter dazu führen kann, dass so mancher Leser dem zweiten Teil – obgleich der nun doch eventuell besser sein könnte – keine Chance mehr geben kann.
Kurzum wie immer bei einer Romanreihe, hätte auch hier die Möglichkeit bestanden, wohl die gesamte Lebensgeschichte des Sehers des Pharaos in einem Roman zu packen, der hätte dann wohl 500 Seiten gehabt, aber meiner Meinung nach wäre das nicht weiter schlimm gewesen.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: The Twice Born
- ISBN: 978-3-492-26330-6
- VERLAG: Piper Verlag
Fazit:
Ein leicht zu lesendes Buch und ein mitunter etwas weniger gelungener Auftakt zu einer Romanreihe – was vor allem daran liegt, dass mit dem Aufbau der Geschichte und der gesamten Hintergründe der Charaktere einige Seiten gefüllt werden mussten.
„Der Metzger geht fremd“ – Thomas Raab Oktober 6, 2009
Posted by besue in Krimis & Thriller, Romane und Schmöker.Tags: Krimis & Thriller, Opfer, Romane & Erzählungen, Tod, Tragödie, Verbrechen
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Der Autor:
Es hat wohl lange Tradition, dass Wien immer wieder einmal einen Autor hervorbringt, der mit Preisen gefördert und dessen Bücher ausgezeichnet werden. Und dass in Österreich auch manchmal die Musik einen Auserwählten hervorbringt, ist auch nicht weiter verwunderlich.
Und ein solcher ist wohl Thomas Raab – Autor, Komponist und Musiker und Wiener. Vielleicht schrieb er seinen ersten Roman in einem typischen Wiener Kaffeehaus (und ich meine keinen dieser Pappbecherwirten) bei einer großen, warmen und schaumigen Melange. Ob dem nun wirklich so war, kann ich nicht beurteilen, zu den Fakten aus seiner Biografie zählt es jedoch nicht.
Hier bekommt man vor allem seine Liebe zur Musik und somit zur Produktion von Songs, Musikstücken, udgl. vermittelt. Und darüber hinaus erfährt man auch noch, dass Herr Raab über ein abgeschlossenes Studium der Mathematik und Sportwissenschaften verfügt – und das verwundert wohl doch so manchen – vor allem im Zusammenhang mit der Liebe zum Wort (mehr als nur Zahlen) und zur Musik (Der Tenor ist groß!).
Aber Spaß beiseite. Herr Raab ist doch eine Welt für sich. Seine Texte werden geschliffen und gefeilt, bis Worte so dicht aneinandergereiht sind, dass man das gute Stück wohl doch eher in einem ruhigen Wiener Kaffee als in einer dicht besetzten und bedrängelten, wie lauten, Wiener Straßenbahn lesen möchte.
Über das Buch:
So ist es auch beim Metzger der Fall gewesen. Mittlerweile das 3. Buch dieser Reihe und nach rot sehen und nachsitzen geht Herr Willibald Adrian Metzger nun mal fremd.
Der Metzger ist kein Fleischhauer, Fleischer oder Metzger und hat auch nichts mit dem Beruf zu tun, außer dass er wohl doch ein gern gesehener Kunde in einer Fleischerei zu sein pflegt und doch einen Beruf, der handwerkliches Geschick benötigt – er ist Restaurator, durchführt. Neben seiner Liebe zum Essen und zu alten Möbeln ist der Metzger aber gar nicht auf den Kopf gefallen und macht sich auf Hilferuf seiner „Lebensgefährtin“ Danjela Djurkovic auf den Weg ins Grüne um dort ein Kurhotel aufzusuchen, wo man neuerdings tote Männer im Schwimmbad treiben sieht. Aber er kommt nicht nur um seiner Danjela seelischen Beistand zu leisten, sondern doch auch um sie davon abzuhalten, zu tief zu boren und ihre Nase überall hinein zu stecken.
Doch schließlich geht es nicht anders, als ihm im Wald förmlich ein abgetrennter Finger mit einem Goldring und einer sehr intimen wie persönlichen Gravur vor die Füße purzelt, ermitteln Willibald und Danjela für sich und doch gemeinsam auf eigene Faust.
Und genau das bringt beide doch deutlich in Gefahr, wobei es schlussendlich auch jemanden förmlich mit der Messespitze (geführt durch niemand geringeren als die Hand des Mörders) trifft.
Fazit:
Das Buch enthält neben der Geschichte rund um Adrian, Danjela und den Mörder sowie den vielen toten Gesellen auch eine weitere, in kurzen Intermezzos gehaltene. Diese handelt von zwei Wesen, Freunden, die davon träumen, ihre Freiheit wieder zu finden. War die erste kleine Unterbrechung noch ein wenig verwirrend, klärte sich dank Filteranlage schon bald der Nebel.
Herr Metzger ist ein uriger wie schrulliger Typus Mann. Und ebenso ist es auch der Schreibstil von Herrn Raab. Ein wenig zu geschliffen, zu gedrillt wirken die dicht gedrängten Wörter, die es einem nicht ermöglichen, das Buch als kleines Intermezzo zwischen Arbeitstrott und Frankfurter (Mittagspause) zu lesen, sondern vom Leser doch mehr Einsatz verlangen – so auch sich etwas frei zu spielen und die gesamte Aufmerksamkeit dem Buch zu widmen.
Am Anfang fiel es also schwer, sich auf den Schreibstil einzustellen, dann war die Geschichte ein wenig zu lang und dann wieder konnte ich die Zweit-Geschichte nicht ausstehen. Kurzum, es war doch eine schwere Geburt.
Wenn nicht überragend, so doch lesenswert. Und vor allem jenen zu empfehlen, die einmal etwas anders lesen wollen und auch bereit sind, das Oberstübchen ein wenig zu beanspruchen.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Der Metzger geht fremd
- ISBN: 978-3-492-05308-2
- VERLAG: Piper Verlag
„Niemalsland“ – Neil Gaiman September 13, 2009
Posted by besue in Romane und Schmöker, Science Fiction, Fantasy & Horror.Tags: Abenteuer, Fantasy & Horror, Humor, Neil Gaiman, Rezension, Tod, Verbrechen
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Wenn sich vor Ihnen die Mauer auftun würde und ein verletztes Mädchen durch selbige kommen und verletzt vor Ihren Füßen bleiben würde, was würden Sie tun?
Die Statistik sagt, dass nur jeder Dritte Erste Hilfe leisten würde. Glück also für die junge Door, dass der Londoner Geschäftsmann Richard Mayhew sich ihrer annimmt und die verletzte junge Frau bei sich aufnimmt. Wobei ihn gerade diese Hilfsbereitschaft etwas ganz besonderes kostet – seine Identität. Niemand kennt ihn mehr, er wird von seiner (Ex-)Verlobten Jessica nicht mehr gekannt und keines Blickes gewürdigt, sein Arbeitsplatz wird ausgemustert und in seine Wohnung zieht auch schon jemand anderer ein.
Um seine Identität und sein Leben zurück zu bekommen, begibt sich Richard als gutmütiger wie naiver Held hinab nach „Unter-London“ – einer Welt unter den Straßen Londons, mit Geisterzügen, Ungeheuern, Engeln, Mördern, Rittern und leichblassen wie gefährlichen Schönheiten. In diesem Niemalsland erlebt der junge Mann ungewollt ein haarsträubendes wie gefährliches Abenteuer, was so gänzlich das Gegenteil zu seinem bisherigen langweiligen und deswegen auch vermissten Leben ist.
Gemeinsam mit Door, der atemberaubenden Hunter – der Beschützerin des jungen Mädchens und einem Marquise muss sich Richard durch eine Welt kämpfen, die für alle „Normalen“ nicht zu existieren scheint und ihn oftmals auch ein wenig an seinen Verstand zweifeln lässt.
Mehr über den Autor erfährt er unter Coraline – dem ersten von mir vom Autor gelesenen und rezensierten Buch.
Doch auch sonst, dürfte der Name Neil Gaiman dem einen oder anderen von Euch geläufig sein. Immerhin ist der gute Mann nicht nur Verfasser der bekannten „Sandman“-Comics sondern war in seiner Person auch als Drehbuchautor der Fernsehserie „Neverwhere“ (kommt einen sicherlich in Zusammenhang mit diesem Buch mehr als nur bekannt vor
) und als Co-Autor neben Terry Prattchet beim Buch „Ein gutes Omen“ tätig.
Fazit:
Auf gewisse Weise war ich doch enttäuscht. Denn es hob doch gut an, nahm den Leser (ergo mich) rasch gefangen, doch spuckte ich am Ende doch ziemlich unbefriedigt wieder aus. Denn wie die Geschichte beinahe ihr Ende findet, lässt wirklich ein wenig zu wünschen übrig. Zum Glück wurde der Schlussakkord dann doch ein wenig anders gespielt als erwartet und somit ist das Buch doch noch mehr als nur empfehlenswert.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Neverwhere
- ISBN: 978-3-453-13757-8
- VERLAG: Verlagsgruppe Randomhouse – Heyne Verlag
„Verbrechen“ – Ferdinand von Schirach September 4, 2009
Posted by besue in Biografien & Erinnerungen, Krimis & Thriller, Romane und Schmöker.Tags: Bücher, Buch, Erinnerungen, Ferdinand von Schirach, Krimis & Thriller, Opfer, Psychologie, Rezension, Romane & Erzählungen, Romane und Schmöker, Tod, Tragödie, Verbrechen
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"Verbrechen" - Ferdinand von Schirach
Eine unbequeme Wahrheit?
Das Leben ist nicht perfekt, geschweige denn sind es wir. Hier tummeln sich nicht nur brave Menschen und Pazifisten, sondern auch Ungeheuer, die wir uns zum Teil selbst geschaffen haben.
Und nein, das soll jetzt keine „sagenumwobene“ relgiöse These sein, sondern eben jene aufgreifen, die irgendwann einmal einen schlauen Kopf verlassen hat: „Wir sind das Produkt unserer eigenen Handlungen und die der anderen.“
Und somit, stecken wohl zum Teil wir alle hinter dem Dilemma. Im Normalfall kann Otto Normalbürger sein Leben unbeirrt und keineswegs schuldbewusst weiter fortsetzen, weil er vom Leben eben jener, die durch das „Netz gefallen sind“ und den Beweggründen dieser, verschont bleibt.
Und selbst in Büchern taucht der Leser meist auf der anderen Seite auf und ist eher darauf bedacht, sie zur Strecke zu bringen, als Mitleid und ein kleines Fünkchen Verständnis für sie aufzubringen.
Am 17. August 2009 war es wieder soweit, ein neues Stück Literatur, das gerade diese Schattenseiten beleuchten will, trat seine Reise an und traf am 25. August 2009 endlich bei mir ein:
Verbrechen von Ferdinand von Schirach
Ferdinand von Schirach ist Rechtsanwalt. Das merkt man sogleich oder spätestens dann, wenn man seinem Namen der Suchmaske eines der vielen Portale anvertraut. Schon in kürze ist man also davon in Kenntnis gesetzt, dass der im Jahre 1964 in München geborene Autor weiß, wovon er schreibt. Denn die hier geschriebenen Kurzgeschichten mögen zwar seiner Feder entstammen, seiner Fantasie jedoch nicht.
Herr Ferdinand von Schirach offenbart dem Leser zahlreiche traurige wie schlimme Schicksale, die ihm im Laufe seiner Tätigkeit als Verteidiger begegneten. Dass sein Ziel dabei immer das gleiche ist, ist wohl verständlich, immerhin ist es sein Job, für seinen Mandanten den Freispruch oder zumindest mildere Strafen zu erkämpfen. Doch nebenbei erfährt man auch, dass so mancher, der vielen Beschuldigten doch mal mehr als nur ein Fünkchen Menschlichkeit an sich hat und als solcher oftmals sogar unschuldig sein kann.
Fazit:
Obgleich als nüchtern und trocken beschrieben, sind die hier zu findenden Geschichten mehr als nur kurze und prägnante Zusammenfassungen von fesselnden Kriminalromanen, sie sind das Leben, und als solche besonders viel wert und besonders bewegend.
Insgesamt ein Buch, das man nicht unbedingt in einem „Abwasch“ lesen braucht, doch wohl oftmals schon tun wird.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Verbrechen
- ISBN: 978-3-492-05362-4
- VERLAG: Piper Verlag
„Coraline“ – Neil Gaiman August 23, 2009
Posted by besue in Kinder- & Jugendbücher, Kinder- und Jugendbücher.Tags: Bücher, Familie, Fantasy & Horror, Kinder- & Jugendbücher, Neil Gaiman
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Ich weiß nicht, was schlimmer und grausiger ist – eine Tüte Schoko-Rosinen oder eine mit Küchenschaben. Ich mag nämlich beides nicht und finde daher beides besonders grausig.
Coraline hat wohl aber Wichtigeres zu tun, als sich über solch Kleinigkeiten Gedanken zu machen, denn sie muss etwas tun, obwohl sie Angst hat. Sie muss mutig sein und ihre Eltern retten.
Alles nur, weil sie durch die Tür gegangen ist und die andere Mutter und all die anderen Wesen mit Knöpfen statt richtigen Augen ihr das genommen haben, was sie am meisten liebt – ihre Familie. Durch ihre Neugier hat Coraline ihre Eltern in Gefahr gebracht und begibt sich noch einmal in diese verkehrte Welt, um sie zu retten.
Über das Buch:
Diese verkehrte Welt befindet sich hinter einer vermauerten Tür, die eigentlich zur leeren Nachbarwohnung führen würde, jedoch nun eben zugemauert und nirgendwo hin führen sollte. Das tut sie aber nicht, sie führt in eine andere „Spiegelwelt“ in der eine andere Mutter mit Knopfaugen auf Coraline wartet. Und im ersten Moment scheint es, als würde sie alles bereit halten, was Coraline in ihrer richten Welt gesucht hat – Abenteuer. Denn dort drüben, bei ihren Eltern und ihren richtigen Spielsachen, warten nur zwei ältliche Theaterschauspielerinnen, ein Mann mit einem Mäusezirkus, den noch niemand zu Gesicht bekommen hat, ein alter Tennisplatz, ein alter, mit Brettern abgedeckter Brunnen und noch viele langweilige Dinge – wie etwa ganz langweilige Ferien – auf sie.
Doch schon bald muss Coraline entdecken, dass manchmal der erste Anschein trügt und sie in weit größerer Gefahr ist, als sie es sich je hätte vorstellen können.
Über den Autor:
Der am 10. November 1960 in Portchester (England) geborene Autor ist Verfasser zahlreicher Science-Fiction-, Fantasygeschichten, Drehbücher und Comics.
Bereits in jungen Jahren hatte Neil Richard Gaiman den Wunsch, geschriebenes bzw. gezeichnetes unter die Leute bzw. die Leserschaft zu bringen. Und wie gut es ihm gelungen ist, diesen Wunsch – trotz zahlreicher Hürden – in die Tat umzusetzen zeigt wohl alleine seine Erfolgsgeschichte rund um die bekannte Comicserie „Sandman„. Aber auch die vierteilige Miniserie „The Books of Magic“ die verfilmte Geschichte „Stardust„, der Kurzgeschichtenband „Smoke and Mirrors“ und einige Kinderbücher wie etwa „Wolves in the Walls“ und eben auch „Coraline“ entstammen seiner Feder.
Und nach der Verfilmung von „Stardust“ schafft es nun auch „Coraline“ auf die Kinoleinwand. Produziert von niemand geringerem als Tim Burton und unter der Regie von Henry Selick (Regisseur von u.a. „Nightmare before Christmas“) ist eine in der Handlung deutlich erweiterte und im Stop-Motion-Verfahren erzählte Geschichte seit 13. August 2009 im Kino zu sehen. Mehr hierzu erfährt ihr auf der offiziellen deutschen Filmwebsite.
Fazit:
Neil Gaiman erzählt schnörkellos und mit einfachen Worten ein Mär’, das, obgleich so voller Düsterheit und Abenteuer, einen schnell gefangen nimmt. Als zu düster und unheimlich für eine Leserschaft von (ab) 11 Jahren beschrieben, sorgte es doch für ein großes Medienecho. Und wohl mag dem auch so sein, so lässt es sich doch auch von Eltern und jung gebliebenen Erwachsenen gut und gerne lesen. Denn es ist eben mehr als nur ein gewöhnliches „Kinder- und Jugendbuch“. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann hier reinlesen.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Coraline
- ISBN: 978-3-453-50376-2
- VERLAG: Verlagsgruppe Random House – Heyne Verlag
„Hector und Hector und die Geheimnisse des Lebens“ – François Lelord August 19, 2009
Posted by besue in Romane & Erzählungen, Romane und Schmöker.Tags: Bücher, Buch, Familie, François Lelord, Humor, Psychologie, Romane & Erzählungen, Romane und Schmöker
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Wenn über die verständliche Erklärung der Geschichte der Philosophie und eben jener selbst gesprochen wird, bleibt Jostein Gaarders Roman aus dem Jahre 1991 selten bis nie unerwähnt.
„Sofies Welt“, im norwegischen Original „Sofies verden“ genannt, ist eigentlich für ältere Kinder gedacht, fand jedoch auf der ganzen Welt bei den erwachsenen Lesern ebenso großen Anklang.
Nun wird sich der aufmerksame Leser bemühen, sich zu fragen, was denn Sofie aus Norwegen mit Hector aus Frankreich und somit Philosophie mit Psychologie so gemein hätten. Nun, natürlich sind es eigentlich zwei Paar Schuhe, aber das Erfolgsrezept ist dennoch dasselbe.
Wenn nämlich ein Autor fähig ist, Theorien, Motive, Erklärungen, Grundsätze,…. zu einem Gebiet, das man normalerweise nur in einem jahrelangen Studium erfasst, so zu verpacken, dass es für den Leser verständlich ist und wird und er der Geschichte auch gerne und leicht folgen kann, dann geht der Kuchen ohne zusätzliches Backtriebmittel (wie etwa PR-Trommel,…) auf.
Und diesen Erfolg dürfen sich Sofie und Hector nun doch auf irgendeine Weise teilen.
Inzwischen hat die Hector Reihe ja Zuwachs bekommen und zwar
„Hector und [Petit] Hector und die Geheimnisse des Lebens“
Über den Autor und über das Buch:
Aber welcher kluge Kopf steckt eigentlich hinter Maman, Papa Hector und Petit Hector?
Es ist der 1953 in Paris geborene François Lelord, der nach dem Studium der Medizin und Psychologie und der Ausübung dieser Berufe nun eben auch zur Schriftstellerei gefunden hat.
Und mit diesem literarischen Schaffungsprozess gelang es ihm auch Hector zu erschaffen.
Hector, einen Psychologen und Intellektuellen, der bis August 2009 in den folgenden 3 Romanen
* Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück – ISBN: 3-492-04528-6;
* Hector und die Geheimnisse der Liebe – ISBN: 3-492-04741-6;
* Hector und die Entdeckung der Zeit – ISBN: 3-492-04936-2;
– alle drei im Piper-Verlag erschienen
sein Unwesen trieb bzw. seine Weisheiten an den Leser zu bringen versuchte.
Nun also bekommt diese erfolgreiche Reihe Nachwuchs – und niemand geringerer als eben Hectors Sohn (Petit) Hector darf nun auf kindlich naive und doch weltoffene und treffende Art und Weise die Geheimnisse des Lebens (mit dem großen L) lüften.
Wer auf solch großartige Lektionen, wie aus dem Buch „Hectors Reise“ hofft, man nehme hier etwa die bekannte und oft zitierte „Lektion 12″:
Glück ist schwieriger in einem Land, das von schlechten Leuten regiert wird.
mag eventuell sogar ein wenig enttäuscht sein, wenn er stattdessen etwa
Die Religion kommt von den Eltern, also ist es kein Verdienst, die beste abgekriegt zu haben.
(Kapitel: „Petit Hector und die Religionen“
oder
Eine kleine Schwester zu kriegen, das ist wie auf der Autobahn – man weiß nicht, ob es schön wird oder nicht.
(Kapitel: „Petit Hector und die Straße des Lebens“)
zu lesen bekommt. Wobei natürlich die Treffsicherheit und der wahre Kern außer Frage steht. Man nehme hier etwa diese beiden Beispiele:
Ein Traum funktioniert vor allem im Traum.
(Kapitel: „Petit Hector macht einen Traum nicht wahr“)
Wir sind alle Brüder, aber das ist schwer zu begreifen, sogar für die Weißen.
(Kapitel: „Petit Hector und das Wort des Herrn“)
Und gerade die Art, die Welt durch die Augen eines kleinen Jungen neu zu entdecken, der selbige von den Großen erklärt bekommt, macht den besonderen Charme dieses Hector-Bandes aus.
Denn wie sonst hätte es dem Autor gelingen können, auf solch kindliche, weltoffene und einfühlsame Art und Weise das zu beschreiben, was für uns alltäglich ist – das Leben.
Gerade weil ein Kind alles mitbringt, was ein Erforscher des großen L des Lebens benötigt, können Dinge aus einem anderen und doch selben Blickwinkel betrachten werden als gewöhnlich.
Sozusagen ein Außenseiter auf seinem Weg in die Mitte erklärt das, was wir schon längst in uns aufgenommen haben bzw. haben sollten:
Moral, Ethik, Gleichheitsgrundsatz, Religionsfreiheit, Persönlichkeit, Nächstenliebe,…
Diese doch alltäglichen Begriffe werden einfach und auf herrlich kindliche wie komische Weise erklärt.
Fazit:
Als Fan und treuer Leserin der gesamten Hector Reihe gelingt es mir hier sicherlich erst recht nicht objektiv zu urteilen. Ich empfehle daher jedem, sich ein eigenes Bild zu machen und hoffe, dass es bei einigen von euch eventuell ebenso großen Anklang findet, wie bei mir.
Ein einziges kleines Manko gibt es noch. Ich hätte mir doch bei einer Umschlaggestaltung in Deutschland doch gewünscht, dass auf einen Schrifttyp zurückgegriffen wird, der das scharfe s kennt. Denn „grosse“ und „Fuss“ tun mir doch ein wenig in den Augen weh.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Le voyage d’Hector ou la recherche du bonheur
- ISBN: 978-3-492-05167-5
- VERLAG: Piper Verlag GmbH
Hector und Hector - François Lelord
„Bis ans Ende aller Tage“ – Jodie Picoult August 15, 2009
Posted by besue in Romane & Erzählungen, Romane und Schmöker.Tags: Bücher, Buch, Familie, Jodie Picoult, Rezension, Romane & Erzählungen, Romane und Schmöker, Tod, Tragödie
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„Bis der Tod uns scheidet.“ Diese magischen Worte sollten zu Anbeginn der Zeitrechnung verdeutlichen, dass man den Bund der Ehe für die Ewigkeit geschmiedet hat. Nun, was aber, wenn der Tod bereits dann vor der Tür steht und anklopft, wenn man noch gar nicht verheiratet ist? Was tun, wenn man einen letzten und gefährlichen Wunsch für den Menschen erfüllen soll, den man von tiefstem Herzen liebt?
Über das Buch:
Der Bund von Christopher Harte und Emily Gold scheint bereits in der Wiege geschmiedet geworden zu sein. Chris und Emily haben alles miteinander erlebt, die Jahre im Sandkasten, die Entdeckung der eigenen Sexualität und die des anderen,… Gemeinsam suchten sie sich Antworten auf die Fragen, die ihre Eltern nicht geben können bzw. die sie gegenüber ihren Eltern nie auszusprechen wagen würden.
Es wundert daher niemanden, am Wenigsten ihre Eltern, als die beiden Unzertrennlichen den nächsten Schritt wagen und aus ihrer innigen Freundschaft die erste und einzige große Liebe wird. Doch obgleich alles im Reinen scheint und das Glück scheinbar perfekt, kommt es zu einer alles zerstörenden Tragödie: Emily ist tot, Chris schwer verletzt.
Die Eltern stehen nun vor den Scherben des jungen Glücks und vor denen des eigenen Lebens. Als Chris verhaftet wird, ist es mit der Freundschaft zwischen den Familien vorbei. Man kämpft nun wieder für sich alleine.
Und sucht die Antwort auf die Frage – hat Chris Emily bei jener Schreckenstat bloß beigestanden, oder hatte gerade er den Finger auf dem Abzug? Und kann jemals wieder Normalität einziehen?
Mehr über die Autorin erfährt ihr beim ersten von mir von ihr gelesenen Buch: Neunzehn Minuten
Fazit:
Wie viel Unglück verträgt das glückliche und gesunde Leben zweier Familien? Welche Möglichkeiten gibt es mit dem so schrecklichen Verlust klar zu kommen? Und ist man stark genug für die Wahrheit?
Jodie Picoult haucht auch dieses Mal jeder Romanfigur Leben ein und kreiert auf den Seiten unterschiedliche Charaktere, die unterschiedlich mit der Situation umgehen.
Insgesamt ein Buch rund um das Zerbrechen von Freundschaft, jungem Glück und jahrelanger Ehe und darüber, ob das, was zerbrochen wurde, wieder gekittet werden kann.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: The Pact
- ISBN: 978-3-4922-4830-3
- VERLAG: Piper Verlag GmbH
„Operation Red Jericho“ – Joshua Mowll August 9, 2009
Posted by besue in Kinder- & Jugendbücher, Kinder- und Jugendbücher.Tags: Abenteuer, Bücher, Buch, Die Gilden-Chronik, fiktive Erinnerung, Joshua Mowll, Kinder- & Jugendbücher
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Über den Autor:
Über Joshua Mowll erfährt man nicht viel mehr, als er bereit ist über sich preis zu geben. So umfasst seine in seinem ersten Buch „Operation Red Jericho“ preisgegebene Autobiographie wohl nicht sein ganzes Leben. Sein Augenmerk legt er in diesem Moment vor allem auf seine Internatszeit in einem lt. seiner Aussage „zugigen, düsteren alten Kasten“. Mitunter durchlebte er seine Jungendzeit, wie jeder andere Junge auch – mit Schule, musikalischen Interessen und ein bisschen Spaß. Letzteres machte ihm vor allem der Kunstunterricht, weshalb er Grafikdesign in Canterbury und Ipswich studierte und nun schließlich als Grafiker bei einer großen Sonntagszeitung arbeitete. Neben seiner Berufstätigkeit gelang es ihm auch sein erstes Buch zu schreiben.
Über das Buch:
Der Autor selbst wird im Jahre 2002 Erbe des Archivs seiner Tante Rebecca. In dem unterirdischen Gemäuern unter ihrem Wohnhaus findet Joshua Mowll zahlreiche interessante Dokumente die ihn auf eine uralte Geheimgesellschaft aufmerksam machen. Die Honourable Guild of Specialists steht in direktem Zusammenhang mit einem Abenteuer, das Joshuas gute alte Tante Rebecca und ihr Bruder, sohin sein Onkel Douglas, im Jahre 1920 in Shanghai und rund um den Gewässern selbiger damaligen Metropole erlebt haben.
Becca und Doug werden nach Verschwinden ihrer Eltern von einem Verwandten zum nächsten gereicht, wobei die Schuld wohl doch immer mehr bei den beiden Rabauken zu suchen ist, um schlussendlich auf dem Forschungsschiff Expedient zu landen, wo ihr Onkel Fitzroy MacKenzie die Aufgabe des Kapitäns über hat. Mit den beiden an Bord kommt auch der brillante Wissenschaftler Luc Chambois, der scheinbar mehr als nur ein Geheimnis mit sich trägt.
An Bord des Forschungsschiffes begeben sie sich nun auf eine geheime Mission, die sie zuerst zu einer versunkenen Dschunke im südchinesischen Meer führt. In diesem Wrack, auf welchem sich auch einmal Luc Chambois – wenn auch nur über kürzere Zeit – aufgehalten hat, befindet sich möglicherweise ein mysteriöser Stoff namens Zoridium. Und genau selbige „Tochter der Sonne“ und die Neugierde der beiden bringt sie immer wieder in Schwierigkeiten und schlussendlich auch noch in größte Gefahr und somit in die Hände des berühmt berüchtigten wie auch gefährlichen Piraten Sheng-Fat.
Das Buch wartet nicht nur mit der Geschichte, die hinter „Operation Red Jericho“ steckt, auf, sondern es beinhaltet nebst zahlreichen Tagebucheintragungen Rebeccaus und Douglas’ Skizzen auch vertrauliche Unterlagen wie etwa Pläne, Zeichnungen, Fotos und vieles mehr.
Fazit:
Die Geschichte selbst entwickelt sich zum Ende hin in ein sehr aufregendes Piratenabenteuer, das voller Pulverdampf, Kriegsgeschrei,… dahingaloppiert und somit auch den letzten Leser noch mitreißt. Natürlich bin ich, die ich selbst der Zielgruppe seit etwas mehr als 5 Jahren entwachsen bin, wohl doch etwas weniger mitgerissen worden, als es wohl die jungen Leser werden. Denn obgleich sich zahlreiche technische und sohin auch komplizierte Begriffe und Passagen im Buch befinden, können diese mit dem gleichen Entdeckergeist, wie er Rebecca und Douglas eigen ist, schnell umschifft werden.
Insgesamt hat diese Buch bzw. diese Reihe „Die Gilden Chronik“ nicht zu unrecht zahlreiche Preise abgeräumt – u.a. etwa den „Poppy Red Award for Innovation in Children’s Books„.
Zu Dougs Skizze DMS 2/83 auf Seite 247 sei nur rasch angemerkt, dass unter Sis sehr wohl „Sister“ also seine Schwester Rebecca zu verstehen ist und nicht, wie fälschlich übersetzt wurde, Xi.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Operation Red Jericho
- ISBN: 978-3-7915-1360-7
- VERLAG: Cecile Dressler Verlag
Weiters bereits auf Deutsch erschienen: Band 2 – Die Gilden Chronik: Operation Taifun
„Beim Leben meiner Schwester“ – Jodie Picoult August 5, 2009
Posted by besue in Romane & Erzählungen, Romane und Schmöker.Tags: "Neunzehn Minuten", Bücher, Buch, Familie, Jodie Picoult, Romane & Erzählungen, Romane und Schmöker, Tod, Tragödie
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Nichts ist schwieriger, als eine Entscheidung über Leben und Tod zu fällen. Denn das Leben eines anderen sollte immer unantastbar und unverletzbar bleiben und die Entscheidung darüber, wann der Vorhang nach dem Schlussakt fällt, sollte wohl durch Höheres bestimmt sein.
Nur leider ist dem nicht so. Der Tod lauert überall, scheinbar jederzeit bereit, seine Krallen in jemanden zu schlagen. Auch in Kate Fitzgeralds Fall ist er schon beachtlich nahe. Sie hat Leukämie und zwar akute Promyelozytenleukämie kurz APL. Aber im Gegensatz zu den vielen anderen Erkrankten hat sie ein besonderes „Ersatzteillager“ – ihre dreizehnjährige Schwester Anna. Anna ist/war ein „Designerbaby“, in einem Reagenzglas einzig zum Zweck gezeugt um ihrer älteren Schwester die Heilung zu verschaffen, die bislang trotz zahlreicher Versuche der Ärzte ausblieb.
Bereits kurz nach Ihrer Geburt wurden Anna Nabelschnurstammzellen entnommen und seither kam es immer wieder zu immer größeren Eingriffen, die ihrer Schwester Kate jedes Mal über kurze oder längere Zeit Besserung verschafften. Doch nun, nun hat dieses Ersatzteillager förmlich geschlossen.
Niemand in ihrer Familie hätte je gedacht, dass sich gerade Anna, geboren um ihre Schwester am Leben zu halten, als der Todesengel entpuppt. Anna tritt für ihr Recht ein, selbst und frei über ihren Körper zu verfügen. Nicht länger möchte sie das sein, was sie glaubt zu sein und worin sie ihre einzige Existenzberechtigung sieht – das Ersatzteillager ihrer Schwester. Und Anna ist bereit für ihr Recht zu kämpfen – sogar vor Gericht.
Sie wendet sich an den Rechtsanwalt Campbell Alexander und ist bereit, alles zu tun, damit er ihren Fall übernimmt – sei es auch Klinkenputzen. Und der an Epilepsie erkrankte Anwalt, der ständig neue Ausreden findet, um seine Erkrankung und die Existenz seines Servicehundes Judge zu erklären, sei es nun Farbblindheit, einseitige Taubheit oder dergleichen, ist wirklich bereit, Anna zu ihrem Recht zu verhelfen. An seine Seite wird Julia Romano als einstweiliger Vormund gestellt. Und gemeinsam versuchen die beiden, wie auch Annas Familie zu ergründen, wie ernst es dem Mädchen mit dem Antrag ist.
Zum Ende hin erlebt der Roman noch eine überraschende Wendung. Dreht wie ein Balletttänzer noch einmal eine Pirouette, bevor ein Vorhang über eine Geschichte voller Mitgefühl aller Beteiligten fällt. Mrs. Picoult beweist auch mit diesem Stück ihr Können und haucht jeder Romanfigur Leben ein. Jede von ihnen nimmt einen besonderen Platz im Leben ein und manchmal ist es ein ganz anderer als vermutet wird.
Fazit:
Wie hoch der Wert eines Menschen ist, kann wohl niemals so recht berechnet werden. Denn eine einzige Zahl reicht nicht aus, um den ganzen Menschen zu erfassen. Der Roman wird aus mehreren Perspektiven erzählt und alle erleben die harte Probe aus anderen Blickwinkeln. Dadurch gelingt es der Autorin besonders gut, alle ethischen Gesichtspunkte zu berücksichtigen, wenn auch zum Ende keine endgültige Antwort auf die ethischen Fragen gegeben werden kann.
Prädikat tief bewegend und äußerst lesenswert.
Mehr über die Autorin erfährt ihr beim ersten von mir von ihr gelesenen Buch: Neunzehn Minuten
Stattdessen möchte ich aber noch auf die am 27. August 2009 in den deutschen Kinos startende und von Nick Cassavetes („Wie ein einziger Tag“) inszenierte Verfilmung mit Cameron Diaz in der Rolle der Mutter Sara Fitzgerald, Jason Patric als Vater Brian, dem großen Schauspieltalent Abigail Breslin als Anna und Sofia Vassilieva in der Rolle der kranken Kate hinweisen. Des weiteren haben Evan Ellingson die Rolle des Sohn Jesse und Alec Baldwin die Rolle des Anwalts Campbell Alexander über.
Nähere Informationen hierzu findet ihr auf der Filmwebsite: „My Sister’s Keeper – Beim Leben meiner Schwester“
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: My Sister’s Keeper
- ISBN: 978-3-492-26266-8
- VERLAG: Piper Verlag GmbH
Demnächst erscheint von Jodie Picoult: Das Herz ihrer Tochter (September 2009)







