“Die Liebesnacht des Dichters Tiret” – Richard K. Breuer September 12, 2008
Posted by besue in Romane & Erzählungen, Romane und Schmöker.Tags: Bücher, Richard K. Breuer, Romane & Erzählungen, Wiener Kunst
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„Das beste Buch ist das, welches dem Leser seinen eigenen Reichtum fühlbar macht.“
(Waldemar Bonsels in seinem Werk „Menschenwege“)
Nur selten gibt es Bücher, die mich schon mit dem ersten Satz in eine neue Welt hineinziehen und mich erst dann wieder freigeben, wenn ein einzelnes Wort oder Satzzeichen mich davon in Kenntnis setzt, dass es jetzt an der Zeit ist, in die Realität zurück zu kehren, um dort etwas “widerliches” bzw. “unsinniges” oder gar “langweiliges” zu machen, wie aus dem Bus/Zug aussteigen, Zähne putzen, Gemüsesuppe (die mit schlabbrigen Kohlrabistücken) essen oder etwas ähnliches.
Als ich gerade fähig war, selbst Buchstaben und Wörter zu entziffern, waren es die Märchen der Gebrüder Grimm. Dann, als ich mit Zahnlücken durchs Leben ging und besonders schief grinste, war es die Billie und Zottel-Reihe. In dem Sommer, als ich im Baumhaus förmlich die Zelte aufgeschlagen hatte, konnte mich nichts anderes mehr begeistern, als die Bücher von Karl May. Kurz darauf sagte ich den Cowboys und Indianern Ade, und begab mich mit den 5 Freunden (und dem Hund ganz zu schweigen) in allerlei Abenteuer und Schwierigkeiten. Dann, als ich im Gegensatz zu meinen Mitschülern keine Pickel auf der Nase hatte dafür aber einen Schafplatternnarbe, verliebte ich mich in die Familie Bennett. Kurz darauf fand ich mich in einer eigenen kleinen Bibliothek aus gelben Büchern wieder.
Seitdem wuchsen meine Ansprüche und deswegen wurde es immer schwieriger neue Reisen ins Unterbewusstsein anzutreten.
Weshalb ich aber noch lange nicht aufgab und mich immer wieder auf die Suche begab. Und mein letzter (zeitlich gesehen) Versuch begann vor 2 Wochen. Es war nichts anderes als
Binnen 10 Tagen gelesen/bewertet/analysiert verbrachte ich die restlichen Tage bis jetzt damit, die Gedanken/Empfindungen/udgl in die “richtigen” Worte zu bringen.
Nun denn, möchte ich es nicht (weiter) hinauszögern und mich ans Werk machen.
Zu Beginn einmal zum Autor:
Von diesem Autor ist mir eigentlich, obgleich doch öfter einmal seine virtuelle Existenzplattform aufsuche, nicht allzu viel bekannt. So weiß ich zwar, dass er im Jahre 1968 das Licht der Welt erblickte und seitdem fortan in Wien lebte und arbeitete. Aber große Geheimnisse und dergleichen sind mir (noch nicht) offenbart worden. Und dass er eigentlich schon einmal etwas veröffentlicht hat, dass er liebevoll „Rotkäppchen 2069“ ruft und als Cyberspace-Komödie diagnostiziert hat, ist eigentlich auch nicht gerade viel. Aber vielleicht mag der Herr auch nicht so recht etwas über sich Preis geben, man darf aber gespannt sein, wann der erste Wikipedia-Artikel auftaucht.
Nun zum Buch:
Zuerst einmal sei gesagt, dass es am Anfang nicht so recht klappen wollte, wobei dies keineswegs an den gewählten Worten lag, sondern daran, dass ich in letzter Zeit eine Abneigung gegen lange Namen hegte. Dem konnte entgegengewirkt werden, indem ich unseren Helden fortan nur mehr Mickie nannte – wobei ich aber zugeben muss, kurz immer Steamboat Willie
vor den Augen gehabt zu haben.
vor den Augen gehabt zu haben.In der ersten Hälfte des Buches lernt der Leser einen aufstrebenden Dichter namens Mickiewitz kennen. Jener junge Herr glaubt sich ([...]“Mit großem Vergnügen pflücke ich die Blume des schönen dichtbelaubten Rosenbusches.“[...]) in eine junge Dame edlen Hauses verliebt zu haben und gibt seine Gefühle derart lautstark bekannt, dass eine kurze Reise durch Europa, um etwa den verliebten Hitzkopf abzukühlen, angeraten wird/ist.
„Bevor Ihr eine Dummheit begeht, möchte ich Euch noch den Rat geben, dass der direkte Weg, der zum Herzen einer Frau führt … [...] der Umweg ist“
(Nicolas-Armand Marquis d’Angelique – 5. Kapitel „Der Marquis im Kleiderschrank“)
(Nicolas-Armand Marquis d’Angelique – 5. Kapitel „Der Marquis im Kleiderschrank“)
Bevor jedoch auf “heitere” Kutschfahrt gegangen werden kann, wird dem jungen Philosophen ein Geheimnis offenbart, das gleichsam den Leser erahnen lässt, dass durch diese Geschichte keineswegs eine gerade Straße führt, sondern mit zahlreichen Pointen, Irrungen und Wirrungen zu rechnen ist.
Und je weiter sich Mickiewitz körperlich von seiner Geliebten entfernt, desto tiefer dringt er in seine und die Geschichte Europas ein. Schlussendlich muss der Held erkennen, dass es meist nicht mehr zu sagen gibt als “-”.
Fazit:
Die Sprache ist sorgsam gewählt und ermöglicht es, dass sich mit jedem weiteren Satz das Europa anno dazumal aufbaut. Jedoch verliert sich der Autor zwischen den Kapiteln 12 und 14 für meinen Geschmack zu sehr in den geschichtlichen Ereignissen der damaligen Zeit.
So fühlte ich mich etwa an den Geschichtsunterricht im heißen Sommer 2001 erinnert, als ich feststellen durfte bzw. mir von der Professorin mitgeteilt wurde, dass ich manchmal schnarche.
Zu meinem eigenen Glück währt dies nur über relativ kurzer Zeit in einer solch ausgeprägten Form und schon darf ich wieder um die wahre Liebe bangen.
Wer leichte Unterhaltungskost mit hohem Herz-schmerz-Faktor sucht, wird bitter enttäuscht werden. Jene aber, die ein bisschen Geschichte und neues Wissen nicht scheuen, sollten sich wirklich an das Buch heran trauen. Ja, und Geschichtsstudenten, die gerade an ihrer Dissertation über diesen historischen Zeitraum schreiben, sei der Dichter Tiret zumindest als Tertiärliteratur empfohlen.
„Das Übermaß vernichtet das Kostbare.“
(Aleksander Mickiewicz – 3. Kapitel „Eine Andeutung, die adelt“)
(Aleksander Mickiewicz – 3. Kapitel „Eine Andeutung, die adelt“)
Ich möchte somit nicht weiter ausschweifen, sondern nur mehr abschließend anmerken,
man blickt der Fortsetzung in stiller Aufregung neugierig entgegen

Nebenbei bemerkt: die Fortsetzung kommt! November 2009 ist es soweit: “Brouillé – Mosaik eines Kriminalfalles am Vorabend der Französischen Revolution” erscheint
Werbung wird nur ausnahmsweise gestattet, gelle.
Also nur weil’s du bist, kleiner Wiener.
Oooh, die gute besue gibt es also noch?
Ich dachte schon, du bist in den Weiten der Bits und Bytes verschollen.
Keck wie immer.
Ja, ja.
Nun, nö, nur umgezogen. Weniger Leben, dafür mehr Presse sozusagen.