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„Jane Eyre“ – Charlotte Brontë September 15, 2008

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Jane Eyre Manches Mal ist man dazu bereit, seine Geheimnisse preis zu geben, so auch die Erzählerin und Hauptperson, Jane Eyre. Jane hatte einen schweren Start ins Leben, denn als Sprössling eines anglikanischen Geistlichen und seiner Frau gehobener Abstammung, die aufgrund dieser Liebesheirat von ihrer Familie enterbt wurde – dazumals sah man Heirat aus Liebe scheinbar noch als wenig löbliches Verbrechen an – hat man es schon einmal nicht allzu leicht. Viel schwieriger wird jedoch die Lage, als Jane zur Waise wird. Mittel- und mutterlos war sie nun von der Gunst anderer abhängig und wurde somit Mündel einer unbarmherzigen und erbarmungslosen Frau Reed. Frau Reed und ihre drei leiblichen Kinder, ihres Zeichens allesamt Personen mit stark ausgeprägten egoistischen Zügen, lassen Jane sehr deutlich spüren, dass sie von ihnen abhängig ist und somit nichts Besseres als ein Häufchen Elend ist. Und weil keiner fähig ist, das Kind als den Menschen anzukennen, der es ist, unter anderem ein ruhiges intelligentes Mädchen mit einer erfrischenden Offenheit, pflegt sich die Lage bis zu jenem Tag zu gipfeln. Jenem Tag, an welchem Jane ihrer Fülle an Empfindungen freien Lauf lässt und sich einmal kein Blatt vor den Mund nimmt, geschweige denn etwas zurück hält und Frau Reed sämtliche Kritik zu teil werden lässt, deren ein Mädchen von so jungen Jahren mit einem derart wachem Verstand mächtig ist. Dies führt natürlich sogleich dazu, dass sich die werte Frau Reed dazu hinreißen lässt, sich des Mündels auf, so gut es geht, legaler Weise zu entledigen und die junge Jane in ein Internat steckt. Dies ist nicht etwa ein schönes Internat für nette intelligente Mädchen, nein auch hier trifft die Ziehmutter ihre Wahl gut und entscheidet sich für Lowood, ein Internat, das vom heuchlerischen unbarmherzigen Mr. Brocklehurst geführt wird. Was nun dem Leser so erscheinen könnte, als dass es nun eigentlich nicht mehr schlimmer kommen kann, entpuppt sich jedoch im Laufe der Jahre als besondere Gelegenheit für Jane. Im düsteren Lowood hat sie zum ersten Mal in ihrem jungen Leben die Möglichkeit, sich einem Menschen anzuvertrauen. In einem jungen, aber doch schon älteren, Mädchen, namens Helen Burns, findet sie eine besondere Freundin. Jedoch ist ihr das Glück, eine Vertraute zu haben, nicht lange beschert, ihre nette ruhige Freundin stirbt an Schwindsucht. Insgesamt 8 Jahre (mehr oder weniger abwechslungsreich) hält die Institution Lowood sie „gefangen“ bis Jane sich zu „neuen Ufern“ aufmacht. Fortan will sie als „Gouvernante“ einem französischen kleinem Püppchen englische Manieren beibringen, aber sie macht die Rechnung mal wieder ohne den Wirt, pardon, den Gutsherrn Rochester. Kurzum die 18-Jährige verliert ihr Herz an ihren Dienstherrn. Und sie hat Glück, obwohl es anfänglich nicht den Anschein erweckt, wird diese Liebe mit der gleichen Leidenschaft erwidert. Wenn man jetzt schon seelig rote Rosen blühen sieht, ist der jungen Jane ihr Glück noch nicht gewährt. Sie muss erkennen, dass wieder einmal der Schein trügt, wobei vor allem einer Wahnsinnigen namens Bertha Mason eine tragende Rolle zukommt…

Zur Autorin:

Charlotte Brontë wurde am 21. des vierten Monats im Jahre 1816, in Thornton, das nirgendwo anders zu liegen pflegt als im britischen Königreich, als drittes Kind eines anglikanischen Geistlichen und seiner Frau Maria geboren. Zusammen mit ihren insgesamt 5 Geschwistern war ihr Leben nicht gerade mit einem abwechslungsreichen Alltag gesegnet, vielmehr war ihr junges Leben oftmals von Verlusten beschattet. So verlor sie etwa in einem jungen Alter von 9 Jahren ihre beiden älteren Schwestern Maria und Elisabeth, die im Kindesalter an Tuberkulose verstarben. Fortan war sie somit als ältere Schwester für ihre drei jüngeren Geschwister Patrick Branwell, Emily Jane und Anne verantwortlich und verbrachte allerlei Zeit mit ihnen. Um sich den Alltag einigermaßen erträglich zu gestalten, verfielen die vier dazu, sich in ihr Phantasiereich von Glass Town/Angria zurückzuziehen. Doch nicht nur hier gaben das junge Mädchen und ihre Geschwister die kreativen Talente freien Lauf. Die Kinder entdeckten schon bald ihr Talent für schreiben und zeichnen. So war es dann im Jahre 1847 – Charlotte blies in diesem Jahr 31 Geburtstagskerzen aus – soweit: Emily veröffentlichte ihr bekanntestes Werk „Die Sturmhöhe“ und Charlotte „Jane Eyre„, eine fiktive Autobiographie einer jungen Frau.

Fazit:

Es gibt sie deren viele, Bücher, die einen zutiefst bewegen können, wenn man es denn zulässt. Manches Mal versucht man sich sogar mit aller Macht zu weigern, möchte nicht gefühlsdusselig werden bzw. als dergleichen abgestempelt werden. Aber in diesem Fall konnte ich mich nicht verwehren. Ich fieberte mit und hoffte auf ein glückliches Ende. Oh ja, Jane hätte es sich verdient. Und darum kann ich dieses Buch jedem weiter empfehlen, der auch einmal bereit ist, mal ein paar Tränen zu vergießen.

„Ich bin Charlotte Simmons“ – Tom Wolfe September 15, 2008

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Charlotte Simmons in der Stadtbücherei von Graz inkl. Buchtitelbild„Ich bin Charlotte Simmons“ Nein, natürlich nicht ich, wenngleich ich auch ob der Anonymität dieser Welt diese Behauptung sicherlich mal so formlos in den Raum stellen könnte, ohne gleich der Lüge bezichtigt und überführt zu werden. Aber da es mir fern liegt, mir diese Sünde aufzubürden, kläre ich euch lieber mal gleich auf.

Nicht meine Person hört auf den Namen Charlotte Simmons, sondern niemand anderer als die Protagonistin des Romans von Tom Wolfe, der bitte nicht mit einem annähernd gleichlautenden Namen eines berühmten Schriftstellers verwechselt werden sollte.

Zu diesem Tom Wolfe:

Dieser Tom Wolfe ist zwar einigermaßen berühmt, immerhin arbeitete er als Reporter unter anderem für „The Washington Post“, „Herald Tribune“, „Esquire“ und „Harper’s“. Natürlich entstieg er nicht gleich dem Kindbett, um diese Arbeiten zu verrichten, es wartete auf ihn ein doch einigermaßen langer Weg. Geboren ist der werte Herr im Jahre 1931 in Richmond, Virginia, das nirgendwo anders zu liegen pflegt, als in den Vereinigten Staaten. Und diesen ist er auch bis dato treu geblieben, so pflegt er seine Freizeit in New York zu verbringen. Bis er jedoch dahin kam und auch bei diesen großen Namen zu arbeiten begann, musste er noch die Promotion in Amerikanistik an der Yale University hinter sich bringen.

Einige der Leser, die den Studien der Journalistik nachkommen, werden glauben zu wissen, dass es nicht nur zu den Erfolgen dieses Mannes gehört, bei diversen bekannten Arbeitgebern sein Gehalt verdient zu haben, und ich kann ihnen nur Recht geben. Denn in den 60iger Jahren zählte Tom Wolfe gemeinsam mit Truman Capote, Norman Mailer und Gay Talese zu den Gründern des „New Journalism“, dem Reportagestil, der mit literarischen Stilmitteln arbeitet.

Eifrige Leser, die vielmehr die Bücher des werten Herrn Wolfe verschlingen, werden jedoch nicht vergessen haben, dass er ein vielfach preisgekrönter Schriftsteller ist, wobei er erst relativ spät (nach zahlreicher Tätigkeit als Sachbuchautor), im Jahre 1987, seinen ersten Roman veröffentlichte.

Einige Cineasten und Buchliebhaber wird wohl der Titel dieses Buches bekannt vorkommen, der nicht anders lautete als „Fegefeuer der Eitelkeiten“ und mit Tom Hanks verfilmt wurde.

Danach folgte noch „Ein ganzer Kerl“ und eben auch das Schlusslicht seiner bisherigen Romanveröffentlichungen „Ich bin Charlotte Simmons.“

Wer ist aber diese Charlotte Simmons?

Nun sagen wir einmal Charlotte Simmons ist ein Wunderkind, das den Lenden einer 900-Seelen Gemeinde in North Carolina entsprungen ist und sich zu den glücklichen „Gewinnern“ eines Stipendiums zählen kann. So ist ihr nämlich die Möglichkeit gegeben, dem kleinen Dorf zu entfliehen und endlich mal von der Welt der Eliteuniversitäten zu kosten.

Niemand anderer als die Dupont University soll sie während den nächsten Jahren als eifrige Studentin kennen lernen und zu einer Eliteuniversitätsabgängerin formen.

Doch mit ihren kindlichen Vorstellungen von der Universitätswelt und dem Studentenleben ist Charlotte schon bald nur mehr Verwunderung ins Gesicht geschrieben, denn sie muss erkennen, dass nicht das zählt, was man weiß, sondern anderes:

Schicke Klamotten, besinnungsloses Saufen (unsereins kennt das wohl unter dem Begriff „Komasaufen“) und TripleX also Sex, Sex, Sex zählen.

Nicht gerade das passende Umfeld für das Landdeern einer religiösen Mutter, aber schon bald muss sie sich entscheiden, ob sie ihrer bisherigen Persönlichkeit treu bleibt, oder den Umwerbungen dreier Männern nachgibt. Zu den Bewerbern um den Posten ihrer Entjungferung zählen: Jojo, einer der wenigen weißen Basketballspieler im Uniteam, Hoyt, der coolste der coolen „Frat-Boys“, und Adam, ein verkopfter „Spak“, der glaubt, einer der letzten Intellektuellen in diesem Sündenpfuhl zu sein.

Während also Charlotte mit einem beginnenden Persönlichkeitsverlust zu kämpfen pflegt, hat sie beinahe schon längst vergessen, wer sie mal war und wie so oft, kommt die Erkenntnis wohl wieder mal zu spät, oder?!

Fazit:

Obgleich ich das Buch gelesen habe und zu den Fans von „Fegefeuer der Eitelkeiten“ gezählt werden will, muss ich zugeben, dass ich etwas enttäuscht bin. Denn schon nach wenigen Worten ist klar, dass dem Autor seine Arbeit nicht gelungen wäre, würden zu seinen Helfern und Helfers-Helfern nicht auch noch ein paar Studenten gezählt werden. Denn alleine dadurch erklärt es sich, wieso er verbissen bemüht ist, den heutigen Studentenslang zu detailgenau wie möglich wiederzugeben, was andere im jüngeren Alter und mit direktem Bezug wohl nicht getan hätten, um nicht selbst als „Spak“ zu gelten. (c;

Kurzum eine Satire, voller Wut und fehlender Selbsterkenntnis der Protagonistin.

„Das kleine Ich bin Ich“ – Mira Lobe September 15, 2008

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Mira Lobe - Das kleine Ich bin Ich

Auf der bunten Blumenwiese geht ein kleines Tier spazieren. Es ist kunterbunt und froh wie die Maus im Haferstroh, bis… Bis zu jenem verhängnisvollen Tage, als ein kleiner grüner Laubfrosch vor des kleinen bunten Tiers Füße hüpft und dasselbige danach fragt, wer es eigentlich ist. Das kleine bunte Tierchen hatte sich bis dato keine Gedanken darüber gemacht, immerhin wurde es auch nie durch solch eine plumpe Frage aus den Gedanken gerissen. Es überlegt natürlich eine Weile, aber als sie schließlich gestehen muss, nicht zu wissen „wer“ es eigentlich ist, bekommt sie eine weniger nette Antwort präsentiert.

Der grüne Geselle quakt neunmalklug:

„Wer nicht weiß, wie er heißt, wer vergisst, wer er ist, der ist dumm. Bumm.“

Und wie es eben sein muss, glaubt sich das kleine Tierchen verloren und versucht nun mit aller Macht herauszufinden, „wer“ es denn ist. Es begibt sich auf eine lange Reise und begegnet da auch allerlei Getier. Und obgleich es nicht leugnen kann, dass es gewisse Ähnlichkeiten gibt, ist keines dabei, das ihm wie die Faust aufs Auge gleicht.

Da trifft es etwa auf die Pferdemutter mit ihrem Kind und glaubt schon, ein Pferd zu sein, immerhin hat sie auch solch eine schicke Pony-Fransen-Frisur, aber seine kleinen Stampferbeinchen passen nicht so recht zu den Pferdestelzen, wohl eher aber zu einem Nilpferd, aber das hat ja wohl keine Dackelohren.

So stromert das kleine bunte Tier weiter und gelangt auch mal zum arroganten Papagei, der beinahe von der Stange fällt, als ihm das Tier mit Pony-Fransen, Stampferbeinchen, Dackelohren und kariertem Fell fragt, ob es denn ein Papagei sein könnte.

Nachdem die Zeit vergeht und das kleine Tier niemanden findet, der ihm gleicht, sondern immer nur welche, die besonders verschieden sind, fragt es sich, ob es denn nun wirklich gar niemand sei?

„Nur ein kleiner Irgendeiner?“

Während es schon fast der Verzweiflung nahe ist, schaltet sich zum Glück die Vernunft ein, denn es ist doch wer, ein dackelohriges auf Stampferbeinen durchs Leben gehendes kariertes Tier mit Pony-Fransen Frisur, oder kurz:

ein „Ich bin Ich“

Fazit:

Mira Lobe als Autorin und Susi Weigel als Illustratorin ist es gelungen, ein besonders schwieriges Thema auf sehr unkonventionelle Art zu lösen. Und es ist gerade richtig, dass das 1972 geborene „Ich bin Ich“ auch heutzutage noch in so manchem Kinderzimmer auftaucht. Oder gibt es eine schönere nettere Möglichkeit, den kleinen Erdenbürgern zu zeigen, dass sie nicht nur „irgendwer“ sondern jemand besonderes und einzigartiges sind?

Denn schon auf der erste Seite erkennt man gleich, dass das kleine bunte Tierchen nicht ein „Irgendeiner“ sein kann, es hebt sich von der Masse ab und ist ein „wer“ oder eben ein „Ich bin Ich“. Natürlich ist es schwer, bis dass man so etwas selbst entdeckt und so machte sich sicherlich schon so mancher von uns auf den Weg, um herauszufinden, wer er denn ist. Aber bekam er denn die richtigen Antworten von anderen? Nein, wie das kleine „Ich bin Ich“ stießen wir alle sicherlich auf Zurückweisung, Spott und manchmal eben auch auf Hilfsbereitschaft. Und während wir dann am Schluss beinahe verzweifeln mochten, kam dann doch irgendwie die Erkenntnis, dass man jemand ist und nicht etwa nur ein „Irgendjemand“.

Ein wunderschönes Buch mit wunderbaren Illustrationen aus dem besonderem Gespann bestehend aus Mira Lobe und Susi Weigel, das einfach in keinem Bücherregal fehlen darf.

Und besonders wunderbar ist die quietschknallpinke Bastelanleitung auf den Umschlagsseiten, mit der es jedem leicht gelingt, ein kleines persönliches „Ich bin Ich“ in die Welt zu setzen.

„Annika und der Stern von Kazan“ – Eva Ibbotson September 15, 2008

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Annika und der Stern von Kazan - Bild

Zuallererst einmal zur Autorin:
Scheinbar ist es irgendwie die Regel, dass man als AutorIn mit einem dermaßen schrecklichen bürgerlichen Namen gesegnet wird, sodass man ihn sogleich ändert. Bei Eva Ibbotson war das meiner Meinung nach nicht der Fall. Im Jahre 1925 geboren, tauften sie ihre Eltern auf den Namen Maria Charlotte Michelle Wiesner – eigentlich ja gar nicht so schlimm oder?

Schlimmer wären da schon Konstanze, Kunigunde, etc. pp. So aber änderte sie ihren Vornamen in Eva und heiratete nach ihrer Emigration nach Großbritannien (damals mit ihren Eltern, also noch ein paar Jahre später) mal schnell ihren Kollegen Alan Ibbotson (immerhin blieb ihr so die Suche nach einem geeigneten Nachnamen erspart).

Geboren wurde Eva bzw. Maria Charlotte Michelle in Wien, einer Stadt, die bekanntlich auf „Vienna“ hört und mitten in Österreich liegt, nun vielleicht nicht ganz so mittig, aber die Stadt war zumindest Mittelpunkt der Geschichte und diese dreht sich um Annika.

Annika ist ein Findelkind, aus irgendeinem Grund blieb es ihr versagt, bei ihrer Mutter groß zu werden und sie wurde von dieser in einer Kirche ausgesetzt. Zu ihrem Glück wurde sie von der Professorenköchin Ellie und der Haushälterin Sigrid gefunden und nach Wien gebracht. Unter der Herrschaft von Kaiser Franz Josef I (so um das Jahr 1900 herum) wächst das Findelkind mal die nächsten zwölf Jahren zu einem fröhlichen mutigen lustigen gesunden Mädchen heran. Zum einen liegt das wohl an der schönen Umgebung, zum anderen sicher auch an der mütterlichen Sorgen von Köchin Ellie und Haushälterin Sigrid und eventuell haben auch die drei Professoren positiv zur Entwicklung Annikas beigetragen, sicherlich aber auch ihre vielen Freunde.

12 Jahre lang war also alles in bester Ordnung, bis Annika eines Tages das Haus betritt und sich ihr ganzes Leben auf einen Schlag ändert. Edeltraut von Tannenberg, eine Aristokratin durch und durch, taucht plötzlich auf und will in Annika ihre verloren geglaubte Tochter gefunden haben. Was zuerst den täglichen Träumen von Annika über die wiedergefundene Mutter ähnelt, entpuppt sich jedoch bald nicht gerade als glänzendes Gold.

Zuerst aber fährt Annika mit ihrer neu gewonnenen Mutter nach Großpriesnitz, einem Herrensitz mitten in Nordostdeutschland. Hier findet sie nicht nur ihren Halbbruder Hermann, sondern auch ein herrschaftliches Haus, das jedoch unter ein paar Mängel zu leiden hat. Wasser tropft von den Wänden und der Decke, ständig verschwinden mehr Bilder und Möbel, die Läufer sind durchgetreten und das wenige Personal ist schlecht bezahlt und gelaunt.

Eigentlich nicht gerade der richtige Aufenthaltsort für die junge Dame Annika, wäre da nicht Zed. Zed, ein Zigeunerjunge und eigentlich Träger eines langen und komplizierten Namens, ist der Stallbursche der Familie Tannenberg. Und während er für diese nur ein Dienstbote ist, ist er für Annika schon bald ein sehr guter Freund. Nur durch Zed und Hermanns Rassepferd Rocco (eigentlich auch Träger eines sehr komplizierten und langen Namens) und den armen verkrüppelten Hector, dem ehemaligen Hund von Hermann, ist für Annika das Leben auf Großpriesnitz erträglich. Doch die Freundschaft der vier steht nicht gerade unter einem guten Stern, immerhin gebührt es sich für eine von Tannenberg nicht, dass man sich mit Dienstboten abgibt, gerne kocht und putzt und dem niederen Volk auch noch auf andere Weise zur Hand geht.

Obgleich Annika ihrer wiedergefundenen Mutter in keinster Weise widersprechen möchte, kann sie auf den Umgang mit ihren neuen Freunden nicht verzichten und so trifft man sich eines Tages zu einem Spaziergang am Seeufer. Dort findet die kleine Gemeinschaft die verblichene Fotografie eines glücklichen Ehepaares. Als Annika dieses alte, schon leicht beschädigte, Bild genauer betrachtet, erkennt sie darin jenes wieder, das sie schon einmal in Wien zu Gesicht bekommen hat.

Es handelt sich um die Abbildung ihrer alten Freundin, der Großtante der Familie Eckhardt, die Schwalbe, die bekannte und berühmte Schauspielerin. Jedoch war das Bild damals gut aufgehoben und pflegte nicht am Seeufer eines Gewässers in Großpriesnitz herumzuliegen. Nein, die Großtante bewahrte diesen Schatz gemeinsam mit ihren anderen Kostbarkeiten in ihrem alten Koffer auf. Dieser enthielt neben einigen alten Bühnenkleidern auch einige Juwelen, wobei es sich jedoch, so wurde Annika damals von der alten Dame versichert, lediglich um Kopien wertvoller Schmuckstücke handelte. Denn im Laufe ihrer Schauspieltätigkeit bekam die Dame vielerlei wertvolle Juwelen von ihren Verehrern geschenkt, die sie dann in schlechten Jahren an einen Juwelier verkaufte und im Gegenzug dazu von diesem Kopien erhielt.

Annika steht vor einem Rätsel, das Foto taucht dort auf, wo es niemals hätte sein können und dürfen. In ihrer Not wendet sich das Mädchen an ihre Mutter, diese teilt ihr mit, dass die alte Dame Annika ihren gesamten Besitz vermacht hat. Jedoch sei dieser niemals in Großpriesnitz angelangt. Somit gibt es nur eine Möglichkeit, den Verlust zu erklären, jemand hat die Juwelen für echt gehalten und den Koffer gestohlen. Annikas Mutter und ihr Onkel finden sogleich den richtigen Sündenbock – Zed, immerhin ja ein Zigeunerjunge und sicherlich auch mit langen Fingern. Natürlich glaubt Annika, dass es sich nur um ein Missverständnis handeln kann, denn weder ihre Mutter noch ihr Onkel könnten sich irren, geschweige denn würde Zed so etwas gemeines tun, oder würde er? Um Gewissheit zu erlangen, macht sich Annika so bald wie möglich auf den Weg, um Zed zur Rede zu stellen, doch der ist schon längst über alle Berge. Gemeinsam mit Rocco ist er verschwunden, einzig Hector wurde zurückgelassen.

Zed flieht Richtung Ungarn, um sich seiner „Familie“ anzuschließen, jedoch erinnert er sich an die Freundschaft Annikas und macht sich auf den Weg, das Missverständnis aufzuklären. In Bad Bernau erhält er den richtigen Hinweis. Nun, da er die Wahrheit kennt, müsste er eigentlich Annika retten, doch diese würde ihm sicherlich keinen Glauben schenken, immerhin wären Personen in diesen Machenschaften verwickelt, denen Annika ihr Leben anvertrauen würden. Alleine ihrer grenzenlosen Freundschaft ist es zu verdanken, dass sich Zed schlussendlich doch nach Wien aufmacht, um den Fall aufzuklären. In Wien angekommen, versetzt sein Bericht die Professoren, Ellie, Sigrid, und all die anderen in Aufregung. Ellie macht sich kurzerhand auf den Weg, um Annika besuchen, doch Annika ist in Großpriesnitz nicht mehr auffindbar. Sie wurde von Frau von Tannenberg in ein Internat verfrachtet. Dort wird sie wie eine Gefangene behandelt und verliert zusehends ihre Lebensfreude.

Ein Grund mehr natürlich für ihre Freunde, sie aus den Fängen dieser Knechtschaft zu befreien. Und so gelingt es schlussendlich doch das Rätsel zu lösen und durch die Stimmkraft des Hofrats Eckhardt wendet sich für Annika alles zum Guten.

Fazit:

Eigentlich für Mädchen und Jungen ab 10, hat das Buch ziemlich spät den Weg zu mir gefunden. Und ich kann es sämtlichen jungen Freunden (und jung gebliebenen) weiterempfehlen. Während ältere und belesene Persönchen wohl den harten Kontrast zwischen der guten bürgerlichen Bevölkerung und dem schlechten und gemeinen Adel (bis auf wenige Ausnahmen) etwas kritisieren könnten, ist es vor allem die Sprache, die so schnell jeden, der dazu bereit ist, in den Bann zieht. Die schillernden und detailreichen Beschreibungen der Hauptstadt Österreichs bieten für einen heimatliebenden Österreicher, wie in meinem Fall, einen lustigen und köstlichen Kontrast zum grauen, matschigen und stinkenden Preußen. Man wandelt mit Annika auf den Wegen Wiens, genießt den Blumenduft und isst köstlichen Marmorgugelhupf, während man hingegen in Großpriesnitz und Umgebung Schwefelschwaden einatmet und verrunzelte Runkelrüben zu Mittag speist.

Dass die Autorin eine Liebeserklärung an ihren Geburtsort Wien geschrieben hat, ist nicht verwunderlich. Jeder, der die Hauptstraßen Wiens verlässt und sich ein bisschen weiter in die Stadt begibt, findet sich rasch an den beschriebenen Orten wieder. Natürlich wird auch einiges beschönigt und sicherlich ist manches nicht so traumhaft wie beschrieben, aber hier geht es ja schlussendlich um eine Geschichte und keineswegs um einen Tatsachenbericht.

Und wenn dann auch noch der Kaiser aus der Kutsche winkt, die Lipizzaner ihren Tanz aufführen, will man gar nicht mehr weg.

Mit Annika und der Stern von Kazan ist Eva Ibbotson ein weiteres gutes Buch gelungen, das sicherlich in einiger Zeit in keinem Kinderzimmer bzw. Klassenzimmer mehr fehlen wird.

Und nachdem ich nun mit diesem Buch erst mit Eva Ibbotson in Kontakt gekommen bin, muss ich wohl das Pflichtprogramm noch erfüllen und mich wohl mal an das Kultwerk: „Maia oder als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf“ machen. (c:

Immerhin will man ja wissen, wovon man spricht.

„Insu-Pu – Die Insel der verlorenen Kinder“ – Mira Lobe September 15, 2008

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Was haben Eva Ibbotsons „Annika und der Stern von Kazan“ und Mira Lobes „Insu-pu“ gemeinsam? Nicht etwa, dass sie großartige Kinderbücher sind, von zwei, zumindest irgendwann einmal in Österreich ihren Sitz gehabten, Autorinnen geschreiben, nein sie haben etwas anderes auch gemeinsam.

Auf Seite 185 lauerte es auf mich, sprang mich an und … Wer oder was, fragt der eiserne Kritiker meiner Schreibwerke, komm doch auf den Punkt, setzt man schlussendlich nach. Hektor, der Hund, mag er auch in „Annika und der Stern von Kazan“ sicherlich öfter vertreten sein, als im Traum eines jungen „Mörders“. In „Insu-pu“ tauchte er aber nicht in der Gestalt eines wunderschönen schlauen Polizeihundes auf, der Mörder entlarvt, nein er mag es noch aufgrund der geschriebenen Zeilen tun, aber für mich war es ein dreibeiniger, halbblinder, stummelschwänziger Cockerspaniel und kein noch so schöner Schäferhund oder dergleichen.

Natürlich dreht sich auf der Insula puerorum, schönes einfaches Latein und in etwa „Insel der Kinder“, nicht alles um Hektor, vielmehr taucht er erst auf Terranien auf und dort auch nur um kurz einmal an einem „Mörder“ zu schnuppern und ihn zu entlarven, um ihn anschließend dabei zu betrachten, wie er aus dem Fenster des Flugzeuges zu springen hat.

Nein, eigentlich handelt es sich um eine Geschichte rund um Michael, Stefan, Thomas, Oliver, Diana, Sepp, Bobo und wie sie alle noch heißen, die Kinder, ganz gleich ob Menschenskinder oder Tierkinder. Auf jeden Fall sind elf – pardon – zwölf auf einer einsamen Insel gefangen und kämpfen um ihr Überleben und den Fortbestand einer eingefleischten Gesellschaft, während ein anderer versucht nicht an ihren Tod zu glauben, sondern sie zu finden

Insu-Pu-Buchcover„Insu-Pu“ von Mira Lobe

Aber nun einmal zurück zu Beginn, immerhin packt man die Katze auch nicht gleich am Schwanz.
In Urbien herrscht Krieg. Deswegen sucht man nach einer Möglichkeit, die Kinder von der Gefahr fern zu halten und ihnen ein sorgenfreies Aufwachsen zu ermöglichen. Stefan und Michael, der eine ein Doktorsohn, der andere ein Präsidentenenkel, ist es zu verdanken, dass die urbischen Kinder übers Meer nach Terranien in Sicherheit gebracht werden. Vier Schiffe werden kurzerhand in schwimmende Kinderheime verwandelt und machen sich auf den viertägigen Weg nach Terranien.

Leider aber läuft das Leitschiff der kleinen Flotte auf eine Mine und sinkt. Man macht sich natürlich rasch an die Rettungsaktion, unglückliche Zufälle aber ist es zu „verdanken“, dass sich ein Rettungsboot mit Kindern an Board aufs weite Meer verirrt. Wie so oft hat aber das Pecht wieder einen kleinen Beutel an Glück auf dem Rücken geschnallt und die Kinder sind nicht etwa verloren, sondern stehen vor dem Beginn des größten Abenteuers ihres Lebens – sie stranden auf einer einsamen Insel.

Und diese gehört ganz alleine den Zwölfen, dem dreckigen, speckigen Dutzend, das aus Kindsköpfen Pudding isst, usw.

Und älter Leser mögen hier wohl versucht sein, Parallelen zu „Herr der Fliegen“ von William Golding zu ziehen, aber jüngere Leser werden wohl diesem Umstand nicht länger Beachtung schenken. Immerhin ist die Insu-Pu keineswegs mit der Insel, auf welcher die Jungen aus „Herr der Fliegen“ ihr Unwesen treiben, vergleichbar. Auch ist die Gesellschaftsstruktur nicht ganz so angeknackst, nein diese Jungen haben einen Vorteil.

Auf Insu Pu sind sie nur zu siebent und sie haben das Glück, dass vier Mädchen ihrer Gemeinschaft genügend Vernunft schenken. *grins* Mir sei mal dieser kleiner Seitenhieb erlaubt. Aufmerksame Leser, werden natürlich anmerken, dass ich doch die elf (7+4) auf zwölf korrigiert habe, nun das liegt darin begründet, dass die kleine Familie der bis 15-jährigen Nachwuchs bekommen haben – und zwar in Form eines kleinen Affen namens Bobo.

Aber natürlich herrscht nicht sofort eitler Sonnenschein auf einer einsamen Insel, nein ein Unterschlupf muss gefunden, es muss gekocht, gearbeitet, gelebt, gefeiert, gespielt, gelernt,… etc. werden. All das ist natürlich nur möglich, wenn eine gute und solide Gesellschaftsstruktur gefunden wird. Und die ist auf Insu-Pu so einfach wie noch nie, jeder macht, was er kann, und lernt, was er nicht kann. So wird dann auch aus einer hochnäsigen Baronesse schnell mal eine Fabriksarbeiterin. Kurzum, man organisiert sich einen „Anführer“ – Oliver, seines Zeichens Pfadfinder und schon extrem alt und weise und verteilt die weiteren Aufgaben je nach Talent des Kindes und schon ist der Kinderstaat geboren. Mit der Zeit und mit der Not wachsen die Kinder so zu einem gut funktionierenden System zusammen, man sorgt sich um jedermann und sorgt für jedermann. In der Zwischenzeit fließt einiges Wasser in Terranien den Fluss hinunter. Während die Erwachsenen beim Eintreffen der um 11 Kinder reduzierten Schar noch um die Verlorenen trauern, ist dies eigentlich schon einige Zeit später für alle vergessen. Für alle – nein ein kleiner 12-jähirger Junge weigert sich, daran zu glauben, dass die Kinder tot sind und macht sich daran die Großen zu überzeugen. Leider beißt er zusehends auf Granit und wird zum Schluss kurzerhand auf ein Internat verfrachtet, wo er nun mal überhaupt keine Möglichkeit hat, den verlorenen Kindern zu helfen. So entschließt er sich kurzerhand zur Flucht, die jedoch kein so glückliches Ende nimmt, was aber seinem Ehrgeiz keinen Abbruch tut. So sucht er nach einem geeigneten Weg, den Kindern zu helfen und schlussendlich findet er doch noch einen Vertrauten unter den Großen. Gemeinsam werden sie es doch schaffen, oder?

Über die Autorin:
Mira Lobe fand schon früh den Weg in mein Kinderzimmer. „Ich bin Ich“, „Die Geggis“, „Der kleine Troll und der große Zottl“, pflegten sich die ersten gut 10 Jahre meines Lebens auf meinem Bücherregal zu tummeln. Immerhin war es ja eigentlich die Pflicht, Mira Lobe zu lesen, die bedeutende, wenn nicht sogar eventuell die bedeutendste, Kinderbuchautorin Österreichs. Mira Lobe wurde am 17. September im Jahre 1913 in Görlitz, einem Ort in Schlesien, das wiederum in Polen liegt, geboren, zu diesem Zeitpunkt hörte sie jedoch noch auf den Namen Hilde Mirjam Rosenthal. In einer Zeit, in der sie es als jüdisches Mädchen besonders schwer hatte, interessierte sie sich schon bald für die Schriftstellerei, ihr blieb jedoch aufgrund ihrer Abstammung das Studium von Germanistik und Kunstgeschichte untersagt. Als sich die Situation im Laufe der Zeit förmlich aufwiegelt, entscheidet sie sich für Palästina und im Jahre 1936, bricht sie auch ihre Zelte nieder und wandert aus. Dort findet sie dann den Schauspieler und Regisseur Friedrich Lobe und heiratet ihn. Und das ist wohl einer der wichtigsten Angelpunkte in ihrem Leben als Schriftstellerin. 1943, als sie mit ihrer Tochter Claudia schwanger ist, beginnt sie zu schreiben. Um schließlich 1948 „Insu-Pu“ erscheinen zu lassen, damals zwar noch auf Hebräisch, aber 1951 folgte es dann auf Deutsch. Die Autorin, die mit soviel Wärme ihre Bücher schrieb, verbrachte die meiste Zeit in ihrem Wahlheimatsort Wien und verstarb 1995, bleibt aber für jeden freudigen Leser, für immer unvergessen.

Fazit:

Oh ja, ich liebte das 5. Entlein, Bärli Hupf, Bondi-Mädels, Titi, die Omama, die im Apfelbaum lebte, Pepi und Pipa, Eli Elefant, den kleinen Drachen Firdolin und alle anderen. Ich hab sie nicht nur gelesen, sondern förmlich gefressen. Jedoch habe ich es nie geschafft, das erste veröffentlichte Buch in die Hände zu bekommen, bis es mir bei einem meiner Buchhandlungsbesuche förmlich vor die Füße purzelte und um nichts möchte ich es missen. Mira Lobe gelingt es schon hier, eine fesselnde Geschichte zu erzählen, die einem genauso gefangen hält, wie all die anderen Bücher. Besonders viel Arbeit legte sie in die Darstellung der Charaktere, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Und vor allem, weil sie alle Facetten mitberücksichtigt, ermöglicht sie es jedem, sich mit einem der Kinder zu identifizieren. Und so schlüpft man schon nach wenigen Momenten in die Rolle, sei es als fleißiger Arbeiter, sportliches Schlangenmädchen, neunmalkluger Professorensohn oder als verwöhnte Baroness. Und es wäre natürlich kein echtes Mira-Lobe-Werk, wenn es nicht auch noch einen besonderen Fingerzeig inne hätte. Und so erkennt man schnell, dass jeder jemand Besonderes ist und dass vor allem die Gemeinschaft eine unumstößliche Stärke besitzt. Auf jeden Fall ein sehr gutes Buch und wenn schon Ähnlichkeiten zu „Herr der Fliegen“ bestehen, so bin ich froh, dass diese so gut für junge Leser umgesetzt wurden.