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„Ich bin Charlotte Simmons“ – Tom Wolfe September 15, 2008

Posted by besue in Romane & Erzählungen, Romane und Schmöker.
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Charlotte Simmons in der Stadtbücherei von Graz inkl. Buchtitelbild„Ich bin Charlotte Simmons“ Nein, natürlich nicht ich, wenngleich ich auch ob der Anonymität dieser Welt diese Behauptung sicherlich mal so formlos in den Raum stellen könnte, ohne gleich der Lüge bezichtigt und überführt zu werden. Aber da es mir fern liegt, mir diese Sünde aufzubürden, kläre ich euch lieber mal gleich auf.

Nicht meine Person hört auf den Namen Charlotte Simmons, sondern niemand anderer als die Protagonistin des Romans von Tom Wolfe, der bitte nicht mit einem annähernd gleichlautenden Namen eines berühmten Schriftstellers verwechselt werden sollte.

Zu diesem Tom Wolfe:

Dieser Tom Wolfe ist zwar einigermaßen berühmt, immerhin arbeitete er als Reporter unter anderem für „The Washington Post“, „Herald Tribune“, „Esquire“ und „Harper’s“. Natürlich entstieg er nicht gleich dem Kindbett, um diese Arbeiten zu verrichten, es wartete auf ihn ein doch einigermaßen langer Weg. Geboren ist der werte Herr im Jahre 1931 in Richmond, Virginia, das nirgendwo anders zu liegen pflegt, als in den Vereinigten Staaten. Und diesen ist er auch bis dato treu geblieben, so pflegt er seine Freizeit in New York zu verbringen. Bis er jedoch dahin kam und auch bei diesen großen Namen zu arbeiten begann, musste er noch die Promotion in Amerikanistik an der Yale University hinter sich bringen.

Einige der Leser, die den Studien der Journalistik nachkommen, werden glauben zu wissen, dass es nicht nur zu den Erfolgen dieses Mannes gehört, bei diversen bekannten Arbeitgebern sein Gehalt verdient zu haben, und ich kann ihnen nur Recht geben. Denn in den 60iger Jahren zählte Tom Wolfe gemeinsam mit Truman Capote, Norman Mailer und Gay Talese zu den Gründern des „New Journalism“, dem Reportagestil, der mit literarischen Stilmitteln arbeitet.

Eifrige Leser, die vielmehr die Bücher des werten Herrn Wolfe verschlingen, werden jedoch nicht vergessen haben, dass er ein vielfach preisgekrönter Schriftsteller ist, wobei er erst relativ spät (nach zahlreicher Tätigkeit als Sachbuchautor), im Jahre 1987, seinen ersten Roman veröffentlichte.

Einige Cineasten und Buchliebhaber wird wohl der Titel dieses Buches bekannt vorkommen, der nicht anders lautete als „Fegefeuer der Eitelkeiten“ und mit Tom Hanks verfilmt wurde.

Danach folgte noch „Ein ganzer Kerl“ und eben auch das Schlusslicht seiner bisherigen Romanveröffentlichungen „Ich bin Charlotte Simmons.“

Wer ist aber diese Charlotte Simmons?

Nun sagen wir einmal Charlotte Simmons ist ein Wunderkind, das den Lenden einer 900-Seelen Gemeinde in North Carolina entsprungen ist und sich zu den glücklichen „Gewinnern“ eines Stipendiums zählen kann. So ist ihr nämlich die Möglichkeit gegeben, dem kleinen Dorf zu entfliehen und endlich mal von der Welt der Eliteuniversitäten zu kosten.

Niemand anderer als die Dupont University soll sie während den nächsten Jahren als eifrige Studentin kennen lernen und zu einer Eliteuniversitätsabgängerin formen.

Doch mit ihren kindlichen Vorstellungen von der Universitätswelt und dem Studentenleben ist Charlotte schon bald nur mehr Verwunderung ins Gesicht geschrieben, denn sie muss erkennen, dass nicht das zählt, was man weiß, sondern anderes:

Schicke Klamotten, besinnungsloses Saufen (unsereins kennt das wohl unter dem Begriff „Komasaufen“) und TripleX also Sex, Sex, Sex zählen.

Nicht gerade das passende Umfeld für das Landdeern einer religiösen Mutter, aber schon bald muss sie sich entscheiden, ob sie ihrer bisherigen Persönlichkeit treu bleibt, oder den Umwerbungen dreier Männern nachgibt. Zu den Bewerbern um den Posten ihrer Entjungferung zählen: Jojo, einer der wenigen weißen Basketballspieler im Uniteam, Hoyt, der coolste der coolen „Frat-Boys“, und Adam, ein verkopfter „Spak“, der glaubt, einer der letzten Intellektuellen in diesem Sündenpfuhl zu sein.

Während also Charlotte mit einem beginnenden Persönlichkeitsverlust zu kämpfen pflegt, hat sie beinahe schon längst vergessen, wer sie mal war und wie so oft, kommt die Erkenntnis wohl wieder mal zu spät, oder?!

Fazit:

Obgleich ich das Buch gelesen habe und zu den Fans von „Fegefeuer der Eitelkeiten“ gezählt werden will, muss ich zugeben, dass ich etwas enttäuscht bin. Denn schon nach wenigen Worten ist klar, dass dem Autor seine Arbeit nicht gelungen wäre, würden zu seinen Helfern und Helfers-Helfern nicht auch noch ein paar Studenten gezählt werden. Denn alleine dadurch erklärt es sich, wieso er verbissen bemüht ist, den heutigen Studentenslang zu detailgenau wie möglich wiederzugeben, was andere im jüngeren Alter und mit direktem Bezug wohl nicht getan hätten, um nicht selbst als „Spak“ zu gelten. (c;

Kurzum eine Satire, voller Wut und fehlender Selbsterkenntnis der Protagonistin.

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