„Tod auf Korfu“ – Ronnith Neuman September 17, 2008
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Es tummeln sich vielerlei Leute auf Korfu, manche von ihnen sind gar nicht gern gesehen, weil sie ihren Weg mit Müll pflastern und laut johlend durch die Gassen ziehen. Und neben all den Touristen gibt es noch jemanden, der vor allem Alexandros Kasantzakis Kopfzerbrechen bereitet.
Immerhin taucht er nackt wie aus dem Nichts auf und pflegt aufgedunsen auf einem einsamen Strandabschnitt darauf zu warten, dass man seine Leiche endlich findet. Zum Glück muss der namenlose unbekleidete, nicht mehr ganz so lebhafte, Herr nicht lange warten, bis das Team rund um Alexandros – alles Griechen und mit klangvollen und in unseren Ohren fremd klingenden Namen – auftaucht und versucht, alle Rätsel rund um jenen werten Herrn zu lösen.
Natürlich wäre es für den Herrn Hauptkommissar vom Festland und seinem Team um einiges einfacher, wenn ihr Fundstück der Woche freiwillig „baden“ gegangen wäre, jedoch muss ja unbedingt die Geschichte weiter gehen und daher der Gerichtsmediziner per Telefon dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung machen.
Während als Spyros, der Gerichtsmediziner, für Alexandros und seinen Mitarbeiter Nikos Stavrous sowie die Fotografin Kristina, bei der nicht nur die Fotos stets scharf sind, noch einige Überraschungen betreffend dem Unbekannten bereit hält, geht für alle anderen auf Korfu das Leben weiter, zumindest versucht man es. Den um das verstorbene Mädchen Irini Trauenden mag das nicht so sehr gelingen, immerhin schiebt man den Tod des kranken Kindes dem Doktor Jannis Mastoras mehr oder weniger begründet in die Schuhe. Vor allem die Mutter ist trotz umsorgende Familie mit ihrem Schmerz allein, denn der Vater der Verstorbenen verfolgt ganz andere, sehr persönliche Pläne. Während also der Vater seinen Entschluss fasst, sind Alexandros und sein Team einen kleinen Schritt weitergekommen, immerhin hat ja der Tote seinen letzten Drink ohne Salz genossen und das passt halt doch nicht so ganz in das Bild einer Meerwasserleiche.
Dass der Tote eventuell einen Sinn für schmerzhafte Abenteuer hatte, könnte auch noch etwas helfen, aber das weiß man bei der Fülle an Informationen ja nie so genau. Denn Spyros ist in Fahrt gekommen und offenbart einige Geheimnisse, die leider nur noch mehr Fragen aufwerfen.
Während man also versucht, so gut es geht mitzukommen, tauchen im Buch auch noch Tagebucheinträge eines Mädchen aus längst vergangenen Zeiten auf. Bis zu diesem Zeitpunkt erschließt sich jedoch für den Leser kein Zusammenhang und man muss sich gedulden.
Vielleicht versucht noch so mancher, ein bisschen vor zu greifen, aber genau dann platzt die erste Bombe. Die Frau des Opfers hört nämlich auf den Nachnamen Mastoras, was somit nichts anderes bedeuten kann, als dass Jannis sich auf dem Strand „mal eben kurz ausruhte“.
Erinnert man sich dann an den Vorfall zurück, dass selbigem die Schuld am Tod der kleinen Irini vorgeworfen wurde und weiß man noch dazu vom entschlossenen Vater der Kleinen, dürfte dies nur eines bedeuten, oder?
Hat denn etwa der Vater Racheengel gespielt und findet das Buch bereits nach ca. 70 Seiten sein Ende? Nein, natürlich nicht, immerhin warten noch rund 380 Seiten auf den Leser. Eventuell will die Autorin aber auch die Bücherwürmer, Leseratten & Co nur ein wenig hinhalten?
Es bleiben somit nur zwei Möglichkeiten, entweder man überspringt ein paar Ereignisse und blättert vor, oder man fährt mit dem Lesen fort. Ich hab mich dann doch kurzerhand für zweiteres entschlossen, obwohl ich schon beinahe versucht war.
Also zurück, Alexandros weiß also, wer sein Fund war und der kritische und krimigeprüfte Leser sieht den Täter schon klar vor den Augen, und was passiert dann?
Eine weitere Leiche wird entdeckt, natürlich nicht gleich sofort, aber irgendwie passierte dazischen nicht wirklich etwas Herausragendes. Anonyme Hinweise trudeln ein und verwandeln die Polizeiarbeiten in ein Katz- und Mausspiel.
Wer könnte der Mörder der beiden sein, die sich sogar kennen?
Alexandros und sein Team müssen förmlich durch die Zeit reisen, denn die Lösung scheint unter der staubigen deutsch-griechischen Vergangenheit begraben.
Als es dem Herrn Hauptkommissar dann endlich gelingt, alle Puzzle-Teile zusammen zu setzen, ist es beinahe zu spät, denn der Mörder ist näher als man glaubt…
Ach und noch ein paar kurze Worte zur Autorin:
Ronnith Neuman wurde im Jahre 1948 in Haifu, einem „Örtchen“ in Israel geboren und fand gemeinsam mit ihren Eltern 1958 den Weg nach Deutschland. Wie Kristina in ihrem Roman hat sie nicht nur eine(n) Beruf(ung), sie ist etwa nicht nur Schriftstellerin, sondern auch freie Fotografin und Künstlerin.
Es war ob ihres Wohnsitzes nur eine Frage der Zeit, bis Korfu einmal Ort des Geschehens in einem ihrer Romane werden würde, denn immerhin kennt sie seit Jahren die Insel wie ihre Westentasche.
Fazit:
Die Autorin muss in ihrer Freizeit Apnoe-Taucherin sein, denn manche Abschnitte fallen etwas langatmig aus. Gemeinsam mit dem Plot inklusive den Beweggründen des Mörders wurde der Roman zur Antlantis, und machte dieser alle Ehre und ging gemeinsam mit meinen Erwartungen baden, was ja bei einer Badeurlaubsinsel wie Korfu nicht weiter verwundert.
Natürlich war die Autorin sehr darum bemüht, Spannung aufzubauen und sie spannte sogar ab und an die Leser auf die Folter, jedoch führte dies bei mir nicht zum gewünschten Erfolg.
Lobenswert finde ich vor allem die detailierten Beschreibungen der Umwelt, denn so bleibt mir der Weg nach Korfu und somit ein eventuelles Treffen mit der Autorin erspart. Denn obwohl ich ein sehr friedfertiger Mensch bin, jedenfalls glaube ich das von mir, wäre ich versucht, ihr ein bisschen mehr Feingefühl einzukloppen.
Normalerweise liegt es mir gänzlich fern, so hart mit einem Buch ins Gericht zu gehen, aber in diesem Fall hat die Autorin keinen neuen Fan gewonnen, was sie aber sicherlich nicht weiter stören wird, denn andere werden dieses Buch mögen.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Tod auf Korfu
- ISBN: 3-548-60811-6
- VERLAG: Ullstein Buch
„Warten auf Oho“ – Robert Rankin September 17, 2008
Posted by besue in Romane und Schmöker, Science Fiction, Fantasy & Horror.Tags: Fantasy & Horror, Gott, Science Fiction, Tod
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Manchmal befindet sich der Autor auf der Suche nach einem geeigneten Titel, aber so sehr er sich auch in die Arbeit stürzt, so sehr er auch versucht, und alles daran setzt, einen besonders originellen und witzigen Titel aus dem Hut zu zaubern, gelingt es ihm einfach nicht, und so bleibt ihm nur mehr eine Möglichkeit – einen bereits existierenden zu adaptieren und sicht nicht einmal die Mühe machen, es zu leugnen. Der Titel von Robert Rankins Roman ist ein offener Abklatsch von Samuel Becketts Theaterstück „Warten auf Godot“
Was macht also Robert Fleming Rankin aus?
Geboren im Jahre 1949 in ‘Parson Green’, London, verbrachte Robert Rankin die erste Zeit seines Lebens nicht mit dem Schreiben, sondern wartete geduldig bis zur Volljährigkeit (den 1960er Jahren), bevor er sich ans Werk machte. Grund könnte hierfür ein Besuch in einer nahen Kneipe gewesen sein, wo er eventuell auf solch sonderbare Gestalten getroffen ist, dass er es/sie unbedingt für die Nachwelt festhalten wollte.
Dies könnte wirklich gut möglich gewesen sein, gibt er doch offen zu, dass er seine Inspiration meist in diversen Kneipen findet.
Wenn Robert Rankin einmal seine Freizeit nicht mit dem Herumlungern in Kneipen oder dem Schreiben von neuen Romanen verbringt, schustert er an seinem Lebenlauf herum – eine der wenigen bekannen Tatsachen ist, dass er in jungen Jahren das Studentenvolk um einen Zähler anstiegen ließ, als er Grafik an der Kunstschule Ealing studierte - und übte so 39 verschiedene Berufe, die zumindest, sollten sie nicht stimmen, für genügend Stoff bei der Autobiografie sorgen werden, aus.
Anmerkung am Rande:
Nicht nur mit dem Buch „Warten auf Oho“ hat er seinen Bezug zu Gott gefunden, gelegentlich tritt er auch mit seiner Band „The Rock Gods“ auf.
Zum Buch:
Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf, kratzen sich und gehen ins Bad. Und irgendwie ist alles anders, abgedreht, eigenartig, unvorstellbar verändert, eigentlich total verschieden zu gestern, wobei sich grundsätzlich nicht viel geändert hat. (Vor allem wenn Sie Atheist sind). Es ist nur eines passiert – Gott ist tot.
Wobei das am Beginn der Geschichte noch gar nicht der Fall ist, da ist er nämlich ein quicklebendiger Geselle, der sich trotz einer „prächtigen“ Frau auch mit anderen Vertreterinnen des schönen Geschlechts vergnügt.
Und genau das ist der Grund, weshalb sich der legendäre Privatdetektiv und Schnüffler Lazlo Woodbine an seine Fersen heften darf, denn Gottes Frau Eartha heuert ihn an, den kleinen Schürzenjäger dingfest zu machen.
Aufgrund der Tatsache, dass der Schnüffler – im Übrigen unterstützt von einem sprechendem Blumenkohl, der es sich in seinem Kopf gemütlich gemacht hat – wirklich vom Weltklasseformat – weshalb man gerne auch darüber hinweg sieht, dass er einen kleinen Beschützer zwischen den Ohren beheimat- ist, gelingt es ihm leicht, Gott in seiner menschlichen Gestalt ausfindig zu machen.
Jedoch ist es der gehörnten Frau nicht mehr möglich, ihrem Göttergatten die Leviten zu lesen, denn er stirbt einen blutigen Tod in einer Seitengasse.
Als ob das nicht schon Schande genug für diese göttliche Familie ist, vermacht der Allmächtige auch einen einst an seine Frau verschenkten Planeten – man erahnt es schon, die Erde ist gemeint – an seinen Sohn, einem Taugenichts, der nur davon profitiert hat, dass Herr Papa nun das Zeitliche gesegnet hat.
Dies ist Grund genug, sich auf des Rätsels Lösung zu machen und herauszufinden, welches Spiel hier gespielt ist, was für gefiederte Wesen – keine Vögel – ihr Unwesen auf der Erde treiben und was ein Relokalisator namens Icarus, der sich gerne in einem Barbierladen herumtreibt, mit dem ganzen Geschehen zu tun hat.
Fazit:
Robert Rankin versucht es wieder einmal – nach seiner Elvis-Reihe und all den anderen humoristischen Parodien – und haut gewaltig auf dem Putz. An machen Stellen mag dies zu hart ausfallen, und schon ein wenig bröckeln aber insgesamt hält das Buch, was es verspricht – eine total verquere und beinahe schon zu durchgeknallte Story.
Mein Schutzengelblumenkohl und ich haben aber – zugegebenermaßen – ein paar Tränen gelacht.

