„Jane Eyre“ – Charlotte Brontë September 15, 2008
Posted by besue in Romane & Erzählungen, Romane und Schmöker.Tags: Charlotte Brontë, fiktive Autobiographie, Romane & Erzählungen
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Manches Mal ist man dazu bereit, seine Geheimnisse preis zu geben, so auch die Erzählerin und Hauptperson, Jane Eyre. Jane hatte einen schweren Start ins Leben, denn als Sprössling eines anglikanischen Geistlichen und seiner Frau gehobener Abstammung, die aufgrund dieser Liebesheirat von ihrer Familie enterbt wurde – dazumals sah man Heirat aus Liebe scheinbar noch als wenig löbliches Verbrechen an – hat man es schon einmal nicht allzu leicht. Viel schwieriger wird jedoch die Lage, als Jane zur Waise wird. Mittel- und mutterlos war sie nun von der Gunst anderer abhängig und wurde somit Mündel einer unbarmherzigen und erbarmungslosen Frau Reed. Frau Reed und ihre drei leiblichen Kinder, ihres Zeichens allesamt Personen mit stark ausgeprägten egoistischen Zügen, lassen Jane sehr deutlich spüren, dass sie von ihnen abhängig ist und somit nichts Besseres als ein Häufchen Elend ist. Und weil keiner fähig ist, das Kind als den Menschen anzukennen, der es ist, unter anderem ein ruhiges intelligentes Mädchen mit einer erfrischenden Offenheit, pflegt sich die Lage bis zu jenem Tag zu gipfeln. Jenem Tag, an welchem Jane ihrer Fülle an Empfindungen freien Lauf lässt und sich einmal kein Blatt vor den Mund nimmt, geschweige denn etwas zurück hält und Frau Reed sämtliche Kritik zu teil werden lässt, deren ein Mädchen von so jungen Jahren mit einem derart wachem Verstand mächtig ist. Dies führt natürlich sogleich dazu, dass sich die werte Frau Reed dazu hinreißen lässt, sich des Mündels auf, so gut es geht, legaler Weise zu entledigen und die junge Jane in ein Internat steckt. Dies ist nicht etwa ein schönes Internat für nette intelligente Mädchen, nein auch hier trifft die Ziehmutter ihre Wahl gut und entscheidet sich für Lowood, ein Internat, das vom heuchlerischen unbarmherzigen Mr. Brocklehurst geführt wird. Was nun dem Leser so erscheinen könnte, als dass es nun eigentlich nicht mehr schlimmer kommen kann, entpuppt sich jedoch im Laufe der Jahre als besondere Gelegenheit für Jane. Im düsteren Lowood hat sie zum ersten Mal in ihrem jungen Leben die Möglichkeit, sich einem Menschen anzuvertrauen. In einem jungen, aber doch schon älteren, Mädchen, namens Helen Burns, findet sie eine besondere Freundin. Jedoch ist ihr das Glück, eine Vertraute zu haben, nicht lange beschert, ihre nette ruhige Freundin stirbt an Schwindsucht. Insgesamt 8 Jahre (mehr oder weniger abwechslungsreich) hält die Institution Lowood sie „gefangen“ bis Jane sich zu „neuen Ufern“ aufmacht. Fortan will sie als „Gouvernante“ einem französischen kleinem Püppchen englische Manieren beibringen, aber sie macht die Rechnung mal wieder ohne den Wirt, pardon, den Gutsherrn Rochester. Kurzum die 18-Jährige verliert ihr Herz an ihren Dienstherrn. Und sie hat Glück, obwohl es anfänglich nicht den Anschein erweckt, wird diese Liebe mit der gleichen Leidenschaft erwidert. Wenn man jetzt schon seelig rote Rosen blühen sieht, ist der jungen Jane ihr Glück noch nicht gewährt. Sie muss erkennen, dass wieder einmal der Schein trügt, wobei vor allem einer Wahnsinnigen namens Bertha Mason eine tragende Rolle zukommt…
Zur Autorin:
Charlotte Brontë wurde am 21. des vierten Monats im Jahre 1816, in Thornton, das nirgendwo anders zu liegen pflegt als im britischen Königreich, als drittes Kind eines anglikanischen Geistlichen und seiner Frau Maria geboren. Zusammen mit ihren insgesamt 5 Geschwistern war ihr Leben nicht gerade mit einem abwechslungsreichen Alltag gesegnet, vielmehr war ihr junges Leben oftmals von Verlusten beschattet. So verlor sie etwa in einem jungen Alter von 9 Jahren ihre beiden älteren Schwestern Maria und Elisabeth, die im Kindesalter an Tuberkulose verstarben. Fortan war sie somit als ältere Schwester für ihre drei jüngeren Geschwister Patrick Branwell, Emily Jane und Anne verantwortlich und verbrachte allerlei Zeit mit ihnen. Um sich den Alltag einigermaßen erträglich zu gestalten, verfielen die vier dazu, sich in ihr Phantasiereich von Glass Town/Angria zurückzuziehen. Doch nicht nur hier gaben das junge Mädchen und ihre Geschwister die kreativen Talente freien Lauf. Die Kinder entdeckten schon bald ihr Talent für schreiben und zeichnen. So war es dann im Jahre 1847 – Charlotte blies in diesem Jahr 31 Geburtstagskerzen aus – soweit: Emily veröffentlichte ihr bekanntestes Werk „Die Sturmhöhe“ und Charlotte „Jane Eyre„, eine fiktive Autobiographie einer jungen Frau.
Fazit:
Es gibt sie deren viele, Bücher, die einen zutiefst bewegen können, wenn man es denn zulässt. Manches Mal versucht man sich sogar mit aller Macht zu weigern, möchte nicht gefühlsdusselig werden bzw. als dergleichen abgestempelt werden. Aber in diesem Fall konnte ich mich nicht verwehren. Ich fieberte mit und hoffte auf ein glückliches Ende. Oh ja, Jane hätte es sich verdient. Und darum kann ich dieses Buch jedem weiter empfehlen, der auch einmal bereit ist, mal ein paar Tränen zu vergießen.