„Niemalsland“ – Neil Gaiman September 13, 2009
Posted by besue in Romane und Schmöker, Science Fiction, Fantasy & Horror.Tags: Abenteuer, Fantasy & Horror, Humor, Neil Gaiman, Rezension, Tod, Verbrechen
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Wenn sich vor Ihnen die Mauer auftun würde und ein verletztes Mädchen durch selbige kommen und verletzt vor Ihren Füßen bleiben würde, was würden Sie tun?
Die Statistik sagt, dass nur jeder Dritte Erste Hilfe leisten würde. Glück also für die junge Door, dass der Londoner Geschäftsmann Richard Mayhew sich ihrer annimmt und die verletzte junge Frau bei sich aufnimmt. Wobei ihn gerade diese Hilfsbereitschaft etwas ganz besonderes kostet – seine Identität. Niemand kennt ihn mehr, er wird von seiner (Ex-)Verlobten Jessica nicht mehr gekannt und keines Blickes gewürdigt, sein Arbeitsplatz wird ausgemustert und in seine Wohnung zieht auch schon jemand anderer ein.
Um seine Identität und sein Leben zurück zu bekommen, begibt sich Richard als gutmütiger wie naiver Held hinab nach „Unter-London“ – einer Welt unter den Straßen Londons, mit Geisterzügen, Ungeheuern, Engeln, Mördern, Rittern und leichblassen wie gefährlichen Schönheiten. In diesem Niemalsland erlebt der junge Mann ungewollt ein haarsträubendes wie gefährliches Abenteuer, was so gänzlich das Gegenteil zu seinem bisherigen langweiligen und deswegen auch vermissten Leben ist.
Gemeinsam mit Door, der atemberaubenden Hunter – der Beschützerin des jungen Mädchens und einem Marquise muss sich Richard durch eine Welt kämpfen, die für alle „Normalen“ nicht zu existieren scheint und ihn oftmals auch ein wenig an seinen Verstand zweifeln lässt.
Mehr über den Autor erfährt er unter Coraline – dem ersten von mir vom Autor gelesenen und rezensierten Buch.
Doch auch sonst, dürfte der Name Neil Gaiman dem einen oder anderen von Euch geläufig sein. Immerhin ist der gute Mann nicht nur Verfasser der bekannten „Sandman“-Comics sondern war in seiner Person auch als Drehbuchautor der Fernsehserie „Neverwhere“ (kommt einen sicherlich in Zusammenhang mit diesem Buch mehr als nur bekannt vor
) und als Co-Autor neben Terry Prattchet beim Buch „Ein gutes Omen“ tätig.
Fazit:
Auf gewisse Weise war ich doch enttäuscht. Denn es hob doch gut an, nahm den Leser (ergo mich) rasch gefangen, doch spuckte ich am Ende doch ziemlich unbefriedigt wieder aus. Denn wie die Geschichte beinahe ihr Ende findet, lässt wirklich ein wenig zu wünschen übrig. Zum Glück wurde der Schlussakkord dann doch ein wenig anders gespielt als erwartet und somit ist das Buch doch noch mehr als nur empfehlenswert.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Neverwhere
- ISBN: 978-3-453-13757-8
- VERLAG: Verlagsgruppe Randomhouse – Heyne Verlag
„Coraline“ – Neil Gaiman August 23, 2009
Posted by besue in Kinder- & Jugendbücher, Kinder- und Jugendbücher.Tags: Bücher, Familie, Fantasy & Horror, Kinder- & Jugendbücher, Neil Gaiman
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Ich weiß nicht, was schlimmer und grausiger ist – eine Tüte Schoko-Rosinen oder eine mit Küchenschaben. Ich mag nämlich beides nicht und finde daher beides besonders grausig.
Coraline hat wohl aber Wichtigeres zu tun, als sich über solch Kleinigkeiten Gedanken zu machen, denn sie muss etwas tun, obwohl sie Angst hat. Sie muss mutig sein und ihre Eltern retten.
Alles nur, weil sie durch die Tür gegangen ist und die andere Mutter und all die anderen Wesen mit Knöpfen statt richtigen Augen ihr das genommen haben, was sie am meisten liebt – ihre Familie. Durch ihre Neugier hat Coraline ihre Eltern in Gefahr gebracht und begibt sich noch einmal in diese verkehrte Welt, um sie zu retten.
Über das Buch:
Diese verkehrte Welt befindet sich hinter einer vermauerten Tür, die eigentlich zur leeren Nachbarwohnung führen würde, jedoch nun eben zugemauert und nirgendwo hin führen sollte. Das tut sie aber nicht, sie führt in eine andere „Spiegelwelt“ in der eine andere Mutter mit Knopfaugen auf Coraline wartet. Und im ersten Moment scheint es, als würde sie alles bereit halten, was Coraline in ihrer richten Welt gesucht hat – Abenteuer. Denn dort drüben, bei ihren Eltern und ihren richtigen Spielsachen, warten nur zwei ältliche Theaterschauspielerinnen, ein Mann mit einem Mäusezirkus, den noch niemand zu Gesicht bekommen hat, ein alter Tennisplatz, ein alter, mit Brettern abgedeckter Brunnen und noch viele langweilige Dinge – wie etwa ganz langweilige Ferien – auf sie.
Doch schon bald muss Coraline entdecken, dass manchmal der erste Anschein trügt und sie in weit größerer Gefahr ist, als sie es sich je hätte vorstellen können.
Über den Autor:
Der am 10. November 1960 in Portchester (England) geborene Autor ist Verfasser zahlreicher Science-Fiction-, Fantasygeschichten, Drehbücher und Comics.
Bereits in jungen Jahren hatte Neil Richard Gaiman den Wunsch, geschriebenes bzw. gezeichnetes unter die Leute bzw. die Leserschaft zu bringen. Und wie gut es ihm gelungen ist, diesen Wunsch – trotz zahlreicher Hürden – in die Tat umzusetzen zeigt wohl alleine seine Erfolgsgeschichte rund um die bekannte Comicserie „Sandman„. Aber auch die vierteilige Miniserie „The Books of Magic“ die verfilmte Geschichte „Stardust„, der Kurzgeschichtenband „Smoke and Mirrors“ und einige Kinderbücher wie etwa „Wolves in the Walls“ und eben auch „Coraline“ entstammen seiner Feder.
Und nach der Verfilmung von „Stardust“ schafft es nun auch „Coraline“ auf die Kinoleinwand. Produziert von niemand geringerem als Tim Burton und unter der Regie von Henry Selick (Regisseur von u.a. „Nightmare before Christmas“) ist eine in der Handlung deutlich erweiterte und im Stop-Motion-Verfahren erzählte Geschichte seit 13. August 2009 im Kino zu sehen. Mehr hierzu erfährt ihr auf der offiziellen deutschen Filmwebsite.
Fazit:
Neil Gaiman erzählt schnörkellos und mit einfachen Worten ein Mär’, das, obgleich so voller Düsterheit und Abenteuer, einen schnell gefangen nimmt. Als zu düster und unheimlich für eine Leserschaft von (ab) 11 Jahren beschrieben, sorgte es doch für ein großes Medienecho. Und wohl mag dem auch so sein, so lässt es sich doch auch von Eltern und jung gebliebenen Erwachsenen gut und gerne lesen. Denn es ist eben mehr als nur ein gewöhnliches „Kinder- und Jugendbuch“. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann hier reinlesen.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Coraline
- ISBN: 978-3-453-50376-2
- VERLAG: Verlagsgruppe Random House – Heyne Verlag
„Warten auf Oho“ – Robert Rankin September 17, 2008
Posted by besue in Romane und Schmöker, Science Fiction, Fantasy & Horror.Tags: Fantasy & Horror, Gott, Science Fiction, Tod
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Manchmal befindet sich der Autor auf der Suche nach einem geeigneten Titel, aber so sehr er sich auch in die Arbeit stürzt, so sehr er auch versucht, und alles daran setzt, einen besonders originellen und witzigen Titel aus dem Hut zu zaubern, gelingt es ihm einfach nicht, und so bleibt ihm nur mehr eine Möglichkeit – einen bereits existierenden zu adaptieren und sicht nicht einmal die Mühe machen, es zu leugnen. Der Titel von Robert Rankins Roman ist ein offener Abklatsch von Samuel Becketts Theaterstück „Warten auf Godot“
Was macht also Robert Fleming Rankin aus?
Geboren im Jahre 1949 in ‘Parson Green’, London, verbrachte Robert Rankin die erste Zeit seines Lebens nicht mit dem Schreiben, sondern wartete geduldig bis zur Volljährigkeit (den 1960er Jahren), bevor er sich ans Werk machte. Grund könnte hierfür ein Besuch in einer nahen Kneipe gewesen sein, wo er eventuell auf solch sonderbare Gestalten getroffen ist, dass er es/sie unbedingt für die Nachwelt festhalten wollte.
Dies könnte wirklich gut möglich gewesen sein, gibt er doch offen zu, dass er seine Inspiration meist in diversen Kneipen findet.
Wenn Robert Rankin einmal seine Freizeit nicht mit dem Herumlungern in Kneipen oder dem Schreiben von neuen Romanen verbringt, schustert er an seinem Lebenlauf herum – eine der wenigen bekannen Tatsachen ist, dass er in jungen Jahren das Studentenvolk um einen Zähler anstiegen ließ, als er Grafik an der Kunstschule Ealing studierte - und übte so 39 verschiedene Berufe, die zumindest, sollten sie nicht stimmen, für genügend Stoff bei der Autobiografie sorgen werden, aus.
Anmerkung am Rande:
Nicht nur mit dem Buch „Warten auf Oho“ hat er seinen Bezug zu Gott gefunden, gelegentlich tritt er auch mit seiner Band „The Rock Gods“ auf.
Zum Buch:
Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf, kratzen sich und gehen ins Bad. Und irgendwie ist alles anders, abgedreht, eigenartig, unvorstellbar verändert, eigentlich total verschieden zu gestern, wobei sich grundsätzlich nicht viel geändert hat. (Vor allem wenn Sie Atheist sind). Es ist nur eines passiert – Gott ist tot.
Wobei das am Beginn der Geschichte noch gar nicht der Fall ist, da ist er nämlich ein quicklebendiger Geselle, der sich trotz einer „prächtigen“ Frau auch mit anderen Vertreterinnen des schönen Geschlechts vergnügt.
Und genau das ist der Grund, weshalb sich der legendäre Privatdetektiv und Schnüffler Lazlo Woodbine an seine Fersen heften darf, denn Gottes Frau Eartha heuert ihn an, den kleinen Schürzenjäger dingfest zu machen.
Aufgrund der Tatsache, dass der Schnüffler – im Übrigen unterstützt von einem sprechendem Blumenkohl, der es sich in seinem Kopf gemütlich gemacht hat – wirklich vom Weltklasseformat – weshalb man gerne auch darüber hinweg sieht, dass er einen kleinen Beschützer zwischen den Ohren beheimat- ist, gelingt es ihm leicht, Gott in seiner menschlichen Gestalt ausfindig zu machen.
Jedoch ist es der gehörnten Frau nicht mehr möglich, ihrem Göttergatten die Leviten zu lesen, denn er stirbt einen blutigen Tod in einer Seitengasse.
Als ob das nicht schon Schande genug für diese göttliche Familie ist, vermacht der Allmächtige auch einen einst an seine Frau verschenkten Planeten – man erahnt es schon, die Erde ist gemeint – an seinen Sohn, einem Taugenichts, der nur davon profitiert hat, dass Herr Papa nun das Zeitliche gesegnet hat.
Dies ist Grund genug, sich auf des Rätsels Lösung zu machen und herauszufinden, welches Spiel hier gespielt ist, was für gefiederte Wesen – keine Vögel – ihr Unwesen auf der Erde treiben und was ein Relokalisator namens Icarus, der sich gerne in einem Barbierladen herumtreibt, mit dem ganzen Geschehen zu tun hat.
Fazit:
Robert Rankin versucht es wieder einmal – nach seiner Elvis-Reihe und all den anderen humoristischen Parodien – und haut gewaltig auf dem Putz. An machen Stellen mag dies zu hart ausfallen, und schon ein wenig bröckeln aber insgesamt hält das Buch, was es verspricht – eine total verquere und beinahe schon zu durchgeknallte Story.
Mein Schutzengelblumenkohl und ich haben aber – zugegebenermaßen – ein paar Tränen gelacht.


