„Wo fahren wir hin, Papa“ – Jean-Louis Fournier November 1, 2009
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Am Ende des Buches – meines Exemplars – findet man zwei leere Seiten, wohl für die Werbung der Zukunft geschaffen oder gar ein kleiner Beweis, dass selbst dann, wenn eine Geschichte ihr Ende gefunden hat, doch nicht selbiges sein muss?
Auf jeden Fall bäten diese Platz für ein offenes, freies und herzliches Nachwort, dass Lesern, Redakteuren, Kritikern und vielleicht sogar dem Autor selbst erklärt, warum man die zuvor gelesenen Blätter nicht so einfach kritisieren sollte, sondern sich daran machen soll, den Kern und seinen Inhalt aufzu- und zu erarbeiten.
Stunden des Unterrichts könnten dafür aufgebracht werden, das zu analysieren, was Herr Jean-Louis Fournier zu Papier und dtv in die Buchhandlungen brachte.
Zum reinen Lesen des Buches benötigt man nicht zu lange. In meinem Fall waren es etwas weniger als 30 Minuten, doch bedeutete dies nicht, dass es anschließend gleich zur Seite gelegt worden ist.
Die Zeitung „Le Monde“ könnte es nicht treffender schreiben, als es das Zitat auf der rückwärtigen Seite des Einbands Preis gibt:
„Man sollte dieses Buch nicht nacherzählen. Das würde ihm nicht gerecht werden. Der Einzige, der die richtigen Worte für diese Geschichte finden kann, ist Jean-Louis Fournier.“
Nun möchte ich Euch dennoch einen groben Umriss des Inhalts und der handelnden Personen geben, um dann nach ausrichtender Betrachtung (m)ein Fazit zu präsentieren, das selbst jetzt noch nicht bekannt ist.
zum Autor:
Jean-Louis Fournier ist Franzose, Komiker, Regisseur, 1938 geboren, Autor des vorliegenden Romans „Wo fahren wir hin, Papa“ und Vater zweier Söhne, die nicht wie die anderen sind.
das Buch:
Sie, und somit neben dem Autor selbst Protagonisten dieses Romans, sind keine kleine Haudegen, Racker, sondern zwei Jungen – schwerstbehinderte Söhne eines Vaters, der sich dieser Herausforderung gleich im Doppelpack stellen muss.
Selbst für ihre Eltern kommen sie nicht an jene vollkommene kleine Geschöpfe mit jeweils 10 Fingern und 10 Zehen heran. Sie rufen nicht jenes Entzücken in ihren Betrachtern hervor, dem man sonst immer in diversen Geburtsstationen lauschen kann. Sie sind … anders.
Und der Vater gibt nun in kurz gehalten Kapiteln Einblick in ein Leben mit seinen Söhnen. Ein Leben voller Verlust – die Frau ist später der Herausforderung nicht länger gewachsen und verlässt ihn, ein Sohn stirbt nach überstandener schwerer Operation,… – aber auch voller schöner Momente, die er niemals missen wollte.
Selten wird in einem Buch zu diesem Thema – das wohl doch zu den Tabuthemen zugehörig sein wird – verfasst, noch seltener kommt es zu einer Veröffentlichung. Rar sind Bücher und die dazugehörigen Autoren, die bereit sind, das auszusprechen, was man meist verdrängt oder wovor man seine Augen verschließt.
Hier spricht ein Vater schwerstbehinderter Kinder von Hass, Liebe, Mut, Scham, Reue,… und spricht die Gedanken manchmal auf eine Weise aus, die anderen wohl nicht so behagen werden. Denn wer will schon aus erster Hand erfahren, dass man keineswegs glücklich darüber ist, etwas so unperfektes „geschaffen“ zu haben.
Hier paart sich bitter schwarzer Humor mit Überdrüssigkeit, Verdruss, Angst, Liebe,… Momente voller Gram und Schande werden durch andere voller persönlicher Gedanken an die beiden Söhne abgelöst.
Und gerade unter diesen vielen Zeilen findet man auch welche, die den Leser annehmen lassen könnten, dass Jean-Louis Fournier nur an der Oberfläche seiner Psyche und seiner Erfahrung kratzt und noch etwas tieferes und schwärzeres begraben ist. Ist es das Gefühl der Schuld, weil seine Söhne nicht wie die anderen sind, oder ist es die Angst vor seinen Fehlern?
Gerade diese Aspekte und Fragen bleiben jedoch ungeklärt, wer zwischen den Zeilen liest, erfährt jedoch, dass Jean-Louis’ Liebe für seine Söhne auf eine etwas andere Weise grenzenlos ist.
Fazit:
Es ist ein Buch, das polarisiert. Für manche ist es ein großartiges Werk, das schon lange überfällig ist, andere bemängeln den Umfang, loben aber den Gedanken, der dahinter steckt.
Nun könnte man wohl denken, dass nur dann dieses Buch kritisieren sollte, wenn man verstehen kann, was Jean-Louis Fournier durchgemacht hat. Ich habe wenig Erfahrung mit den Aufgaben von Eltern mit behinderten Kindern. Ich habe öfters (man kann es wohl nicht oft oder gar regelmäßig nennen) Kontakt mit Personen mit Behinderung. Und ich denke, aufgrund der Tatsache, dass Jean-Louis dieses Buch verfasst hat, zeigt, dass es an der Zeit ist, dass Büchern dieser Art Beachtung geschenkt wird.
Prädikat lesenswert und anregend zum Nachdenken.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Où on va, papa ?
- ISBN: 978-3-492-26330-6
- VERLAG: dtv premium Verlag
„Niemalsland“ – Neil Gaiman September 13, 2009
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Wenn sich vor Ihnen die Mauer auftun würde und ein verletztes Mädchen durch selbige kommen und verletzt vor Ihren Füßen bleiben würde, was würden Sie tun?
Die Statistik sagt, dass nur jeder Dritte Erste Hilfe leisten würde. Glück also für die junge Door, dass der Londoner Geschäftsmann Richard Mayhew sich ihrer annimmt und die verletzte junge Frau bei sich aufnimmt. Wobei ihn gerade diese Hilfsbereitschaft etwas ganz besonderes kostet – seine Identität. Niemand kennt ihn mehr, er wird von seiner (Ex-)Verlobten Jessica nicht mehr gekannt und keines Blickes gewürdigt, sein Arbeitsplatz wird ausgemustert und in seine Wohnung zieht auch schon jemand anderer ein.
Um seine Identität und sein Leben zurück zu bekommen, begibt sich Richard als gutmütiger wie naiver Held hinab nach „Unter-London“ – einer Welt unter den Straßen Londons, mit Geisterzügen, Ungeheuern, Engeln, Mördern, Rittern und leichblassen wie gefährlichen Schönheiten. In diesem Niemalsland erlebt der junge Mann ungewollt ein haarsträubendes wie gefährliches Abenteuer, was so gänzlich das Gegenteil zu seinem bisherigen langweiligen und deswegen auch vermissten Leben ist.
Gemeinsam mit Door, der atemberaubenden Hunter – der Beschützerin des jungen Mädchens und einem Marquise muss sich Richard durch eine Welt kämpfen, die für alle „Normalen“ nicht zu existieren scheint und ihn oftmals auch ein wenig an seinen Verstand zweifeln lässt.
Mehr über den Autor erfährt er unter Coraline – dem ersten von mir vom Autor gelesenen und rezensierten Buch.
Doch auch sonst, dürfte der Name Neil Gaiman dem einen oder anderen von Euch geläufig sein. Immerhin ist der gute Mann nicht nur Verfasser der bekannten „Sandman“-Comics sondern war in seiner Person auch als Drehbuchautor der Fernsehserie „Neverwhere“ (kommt einen sicherlich in Zusammenhang mit diesem Buch mehr als nur bekannt vor
) und als Co-Autor neben Terry Prattchet beim Buch „Ein gutes Omen“ tätig.
Fazit:
Auf gewisse Weise war ich doch enttäuscht. Denn es hob doch gut an, nahm den Leser (ergo mich) rasch gefangen, doch spuckte ich am Ende doch ziemlich unbefriedigt wieder aus. Denn wie die Geschichte beinahe ihr Ende findet, lässt wirklich ein wenig zu wünschen übrig. Zum Glück wurde der Schlussakkord dann doch ein wenig anders gespielt als erwartet und somit ist das Buch doch noch mehr als nur empfehlenswert.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Neverwhere
- ISBN: 978-3-453-13757-8
- VERLAG: Verlagsgruppe Randomhouse – Heyne Verlag
„Hector und Hector und die Geheimnisse des Lebens“ – François Lelord August 19, 2009
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Wenn über die verständliche Erklärung der Geschichte der Philosophie und eben jener selbst gesprochen wird, bleibt Jostein Gaarders Roman aus dem Jahre 1991 selten bis nie unerwähnt.
„Sofies Welt“, im norwegischen Original „Sofies verden“ genannt, ist eigentlich für ältere Kinder gedacht, fand jedoch auf der ganzen Welt bei den erwachsenen Lesern ebenso großen Anklang.
Nun wird sich der aufmerksame Leser bemühen, sich zu fragen, was denn Sofie aus Norwegen mit Hector aus Frankreich und somit Philosophie mit Psychologie so gemein hätten. Nun, natürlich sind es eigentlich zwei Paar Schuhe, aber das Erfolgsrezept ist dennoch dasselbe.
Wenn nämlich ein Autor fähig ist, Theorien, Motive, Erklärungen, Grundsätze,…. zu einem Gebiet, das man normalerweise nur in einem jahrelangen Studium erfasst, so zu verpacken, dass es für den Leser verständlich ist und wird und er der Geschichte auch gerne und leicht folgen kann, dann geht der Kuchen ohne zusätzliches Backtriebmittel (wie etwa PR-Trommel,…) auf.
Und diesen Erfolg dürfen sich Sofie und Hector nun doch auf irgendeine Weise teilen.
Inzwischen hat die Hector Reihe ja Zuwachs bekommen und zwar
„Hector und [Petit] Hector und die Geheimnisse des Lebens“
Über den Autor und über das Buch:
Aber welcher kluge Kopf steckt eigentlich hinter Maman, Papa Hector und Petit Hector?
Es ist der 1953 in Paris geborene François Lelord, der nach dem Studium der Medizin und Psychologie und der Ausübung dieser Berufe nun eben auch zur Schriftstellerei gefunden hat.
Und mit diesem literarischen Schaffungsprozess gelang es ihm auch Hector zu erschaffen.
Hector, einen Psychologen und Intellektuellen, der bis August 2009 in den folgenden 3 Romanen
* Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück – ISBN: 3-492-04528-6;
* Hector und die Geheimnisse der Liebe – ISBN: 3-492-04741-6;
* Hector und die Entdeckung der Zeit – ISBN: 3-492-04936-2;
– alle drei im Piper-Verlag erschienen
sein Unwesen trieb bzw. seine Weisheiten an den Leser zu bringen versuchte.
Nun also bekommt diese erfolgreiche Reihe Nachwuchs – und niemand geringerer als eben Hectors Sohn (Petit) Hector darf nun auf kindlich naive und doch weltoffene und treffende Art und Weise die Geheimnisse des Lebens (mit dem großen L) lüften.
Wer auf solch großartige Lektionen, wie aus dem Buch „Hectors Reise“ hofft, man nehme hier etwa die bekannte und oft zitierte „Lektion 12″:
Glück ist schwieriger in einem Land, das von schlechten Leuten regiert wird.
mag eventuell sogar ein wenig enttäuscht sein, wenn er stattdessen etwa
Die Religion kommt von den Eltern, also ist es kein Verdienst, die beste abgekriegt zu haben.
(Kapitel: „Petit Hector und die Religionen“
oder
Eine kleine Schwester zu kriegen, das ist wie auf der Autobahn – man weiß nicht, ob es schön wird oder nicht.
(Kapitel: „Petit Hector und die Straße des Lebens“)
zu lesen bekommt. Wobei natürlich die Treffsicherheit und der wahre Kern außer Frage steht. Man nehme hier etwa diese beiden Beispiele:
Ein Traum funktioniert vor allem im Traum.
(Kapitel: „Petit Hector macht einen Traum nicht wahr“)
Wir sind alle Brüder, aber das ist schwer zu begreifen, sogar für die Weißen.
(Kapitel: „Petit Hector und das Wort des Herrn“)
Und gerade die Art, die Welt durch die Augen eines kleinen Jungen neu zu entdecken, der selbige von den Großen erklärt bekommt, macht den besonderen Charme dieses Hector-Bandes aus.
Denn wie sonst hätte es dem Autor gelingen können, auf solch kindliche, weltoffene und einfühlsame Art und Weise das zu beschreiben, was für uns alltäglich ist – das Leben.
Gerade weil ein Kind alles mitbringt, was ein Erforscher des großen L des Lebens benötigt, können Dinge aus einem anderen und doch selben Blickwinkel betrachten werden als gewöhnlich.
Sozusagen ein Außenseiter auf seinem Weg in die Mitte erklärt das, was wir schon längst in uns aufgenommen haben bzw. haben sollten:
Moral, Ethik, Gleichheitsgrundsatz, Religionsfreiheit, Persönlichkeit, Nächstenliebe,…
Diese doch alltäglichen Begriffe werden einfach und auf herrlich kindliche wie komische Weise erklärt.
Fazit:
Als Fan und treuer Leserin der gesamten Hector Reihe gelingt es mir hier sicherlich erst recht nicht objektiv zu urteilen. Ich empfehle daher jedem, sich ein eigenes Bild zu machen und hoffe, dass es bei einigen von euch eventuell ebenso großen Anklang findet, wie bei mir.
Ein einziges kleines Manko gibt es noch. Ich hätte mir doch bei einer Umschlaggestaltung in Deutschland doch gewünscht, dass auf einen Schrifttyp zurückgegriffen wird, der das scharfe s kennt. Denn „grosse“ und „Fuss“ tun mir doch ein wenig in den Augen weh.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Le voyage d’Hector ou la recherche du bonheur
- ISBN: 978-3-492-05167-5
- VERLAG: Piper Verlag GmbH
Hector und Hector - François Lelord
„SOS, Jeeves“ –Sir Pelham Grenville Wodehouse Juli 21, 2009
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Jeder von uns könnte jemanden wie Jeeves gut gebrauchen. Jemanden, der gut butlert, aber doch keiner ist, sondern ein „Gentlemans Gentleman“, also jemand der mit Rat und Tat zur Seite steht und auch über viele weitere Qualitäten mehr verfügt – wie etwa die Tatsache, dass er seine Gesichtszüge und seine Mimik besonders gut im Griff hat.
Aber wenn jemand Jeeves ganz besonders braucht, dann ist das Betram Wooster – ein britischer Gentleman, der sich mehr oder weniger selbstständig in allerhand schwierige Situationen manövriert.
Diesmal ist der Schauplatz zum zweiten Mal Totleigh Towers, Sitz und Heim des Sammlers Sir Watkyn Basset, seiner gefühlsduseligen Tochter Madeline, ihrem Verlobten Gussie Fink-Nottle (ein Fisch auf zwei Beinen), Stiffy Byngs – der Nichte von Sir Watkyns – und Madelines beißwütigen Scotchterrier Bartholomew. Und eigentlich würde unser lieber Geck Bertie Wooster diesen Ort weit umfahren und nie wieder einen Fuß in das Anwesen setzen, wenn er nicht zu einem Feldzug aufbrechen müsste, um den Sprung in der Laute der Verlobung von Madeline und Gussie zu flicken. Natürlich ist alles wieder dabei den Bach hinunter zu gehen bzw. sich nicht so zu entwickeln, wie es sich unser britischer Herr wünscht. Aber zum Glück naht in der noch so schlimmsten Seenot Hilfe in Form des Butlers Jeeves.
Fazit:
Oft zitiert ist die Tatsache, dass sich die Struktur der Geschichten von „Plum“ immer wieder wiederholen. Man sprach derweil sogar von einem Ei, das einem anderen immer ähneln bzw. gleichen würde. Dennoch ist das nicht weiter schlimm, warum auch. Wenn man ein Erfolgsrezept hat, kann man dies auch öfters mal den gleichen Herren/Kritikern kredenzen und muss sich nicht gleich vor einer schlimmen Rezension fürchten.
Über den Autor:
Sir Pelham Grenville Wodehouse alias PG Wodehouse alias Plum wurde im Jahre 1881 in Guildford, Surrey geboren und verlies nach zahlreichen Romanreihen (zB Blandings-Castle, Jeeves & Bertram, Psmith) – insgesamt handelt es sich um über neunzig Erzählungen – am 14. Februar 1975 die Welt. Vor allem die Romane über Bertram Wooster und seinen Gentlemans Gentleman Jeeves machten ihn in der ganzen Welt aufgrund der TV-Verfilmungen mit Stephen Fry und Hugh Laurie in den Hauptrollen bekannt.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Stiff upper lipp, Jeeves
- ISBN: 3-518-45839-6
- VERLAG: Suhrkamp



