„Coraline“ – Neil Gaiman August 23, 2009
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Ich weiß nicht, was schlimmer und grausiger ist – eine Tüte Schoko-Rosinen oder eine mit Küchenschaben. Ich mag nämlich beides nicht und finde daher beides besonders grausig.
Coraline hat wohl aber Wichtigeres zu tun, als sich über solch Kleinigkeiten Gedanken zu machen, denn sie muss etwas tun, obwohl sie Angst hat. Sie muss mutig sein und ihre Eltern retten.
Alles nur, weil sie durch die Tür gegangen ist und die andere Mutter und all die anderen Wesen mit Knöpfen statt richtigen Augen ihr das genommen haben, was sie am meisten liebt – ihre Familie. Durch ihre Neugier hat Coraline ihre Eltern in Gefahr gebracht und begibt sich noch einmal in diese verkehrte Welt, um sie zu retten.
Über das Buch:
Diese verkehrte Welt befindet sich hinter einer vermauerten Tür, die eigentlich zur leeren Nachbarwohnung führen würde, jedoch nun eben zugemauert und nirgendwo hin führen sollte. Das tut sie aber nicht, sie führt in eine andere „Spiegelwelt“ in der eine andere Mutter mit Knopfaugen auf Coraline wartet. Und im ersten Moment scheint es, als würde sie alles bereit halten, was Coraline in ihrer richten Welt gesucht hat – Abenteuer. Denn dort drüben, bei ihren Eltern und ihren richtigen Spielsachen, warten nur zwei ältliche Theaterschauspielerinnen, ein Mann mit einem Mäusezirkus, den noch niemand zu Gesicht bekommen hat, ein alter Tennisplatz, ein alter, mit Brettern abgedeckter Brunnen und noch viele langweilige Dinge – wie etwa ganz langweilige Ferien – auf sie.
Doch schon bald muss Coraline entdecken, dass manchmal der erste Anschein trügt und sie in weit größerer Gefahr ist, als sie es sich je hätte vorstellen können.
Über den Autor:
Der am 10. November 1960 in Portchester (England) geborene Autor ist Verfasser zahlreicher Science-Fiction-, Fantasygeschichten, Drehbücher und Comics.
Bereits in jungen Jahren hatte Neil Richard Gaiman den Wunsch, geschriebenes bzw. gezeichnetes unter die Leute bzw. die Leserschaft zu bringen. Und wie gut es ihm gelungen ist, diesen Wunsch – trotz zahlreicher Hürden – in die Tat umzusetzen zeigt wohl alleine seine Erfolgsgeschichte rund um die bekannte Comicserie „Sandman„. Aber auch die vierteilige Miniserie „The Books of Magic“ die verfilmte Geschichte „Stardust„, der Kurzgeschichtenband „Smoke and Mirrors“ und einige Kinderbücher wie etwa „Wolves in the Walls“ und eben auch „Coraline“ entstammen seiner Feder.
Und nach der Verfilmung von „Stardust“ schafft es nun auch „Coraline“ auf die Kinoleinwand. Produziert von niemand geringerem als Tim Burton und unter der Regie von Henry Selick (Regisseur von u.a. „Nightmare before Christmas“) ist eine in der Handlung deutlich erweiterte und im Stop-Motion-Verfahren erzählte Geschichte seit 13. August 2009 im Kino zu sehen. Mehr hierzu erfährt ihr auf der offiziellen deutschen Filmwebsite.
Fazit:
Neil Gaiman erzählt schnörkellos und mit einfachen Worten ein Mär’, das, obgleich so voller Düsterheit und Abenteuer, einen schnell gefangen nimmt. Als zu düster und unheimlich für eine Leserschaft von (ab) 11 Jahren beschrieben, sorgte es doch für ein großes Medienecho. Und wohl mag dem auch so sein, so lässt es sich doch auch von Eltern und jung gebliebenen Erwachsenen gut und gerne lesen. Denn es ist eben mehr als nur ein gewöhnliches „Kinder- und Jugendbuch“. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann hier reinlesen.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Coraline
- ISBN: 978-3-453-50376-2
- VERLAG: Verlagsgruppe Random House – Heyne Verlag
„Operation Red Jericho“ – Joshua Mowll August 9, 2009
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Über den Autor:
Über Joshua Mowll erfährt man nicht viel mehr, als er bereit ist über sich preis zu geben. So umfasst seine in seinem ersten Buch „Operation Red Jericho“ preisgegebene Autobiographie wohl nicht sein ganzes Leben. Sein Augenmerk legt er in diesem Moment vor allem auf seine Internatszeit in einem lt. seiner Aussage „zugigen, düsteren alten Kasten“. Mitunter durchlebte er seine Jungendzeit, wie jeder andere Junge auch – mit Schule, musikalischen Interessen und ein bisschen Spaß. Letzteres machte ihm vor allem der Kunstunterricht, weshalb er Grafikdesign in Canterbury und Ipswich studierte und nun schließlich als Grafiker bei einer großen Sonntagszeitung arbeitete. Neben seiner Berufstätigkeit gelang es ihm auch sein erstes Buch zu schreiben.
Über das Buch:
Der Autor selbst wird im Jahre 2002 Erbe des Archivs seiner Tante Rebecca. In dem unterirdischen Gemäuern unter ihrem Wohnhaus findet Joshua Mowll zahlreiche interessante Dokumente die ihn auf eine uralte Geheimgesellschaft aufmerksam machen. Die Honourable Guild of Specialists steht in direktem Zusammenhang mit einem Abenteuer, das Joshuas gute alte Tante Rebecca und ihr Bruder, sohin sein Onkel Douglas, im Jahre 1920 in Shanghai und rund um den Gewässern selbiger damaligen Metropole erlebt haben.
Becca und Doug werden nach Verschwinden ihrer Eltern von einem Verwandten zum nächsten gereicht, wobei die Schuld wohl doch immer mehr bei den beiden Rabauken zu suchen ist, um schlussendlich auf dem Forschungsschiff Expedient zu landen, wo ihr Onkel Fitzroy MacKenzie die Aufgabe des Kapitäns über hat. Mit den beiden an Bord kommt auch der brillante Wissenschaftler Luc Chambois, der scheinbar mehr als nur ein Geheimnis mit sich trägt.
An Bord des Forschungsschiffes begeben sie sich nun auf eine geheime Mission, die sie zuerst zu einer versunkenen Dschunke im südchinesischen Meer führt. In diesem Wrack, auf welchem sich auch einmal Luc Chambois – wenn auch nur über kürzere Zeit – aufgehalten hat, befindet sich möglicherweise ein mysteriöser Stoff namens Zoridium. Und genau selbige „Tochter der Sonne“ und die Neugierde der beiden bringt sie immer wieder in Schwierigkeiten und schlussendlich auch noch in größte Gefahr und somit in die Hände des berühmt berüchtigten wie auch gefährlichen Piraten Sheng-Fat.
Das Buch wartet nicht nur mit der Geschichte, die hinter „Operation Red Jericho“ steckt, auf, sondern es beinhaltet nebst zahlreichen Tagebucheintragungen Rebeccaus und Douglas’ Skizzen auch vertrauliche Unterlagen wie etwa Pläne, Zeichnungen, Fotos und vieles mehr.
Fazit:
Die Geschichte selbst entwickelt sich zum Ende hin in ein sehr aufregendes Piratenabenteuer, das voller Pulverdampf, Kriegsgeschrei,… dahingaloppiert und somit auch den letzten Leser noch mitreißt. Natürlich bin ich, die ich selbst der Zielgruppe seit etwas mehr als 5 Jahren entwachsen bin, wohl doch etwas weniger mitgerissen worden, als es wohl die jungen Leser werden. Denn obgleich sich zahlreiche technische und sohin auch komplizierte Begriffe und Passagen im Buch befinden, können diese mit dem gleichen Entdeckergeist, wie er Rebecca und Douglas eigen ist, schnell umschifft werden.
Insgesamt hat diese Buch bzw. diese Reihe „Die Gilden Chronik“ nicht zu unrecht zahlreiche Preise abgeräumt – u.a. etwa den „Poppy Red Award for Innovation in Children’s Books„.
Zu Dougs Skizze DMS 2/83 auf Seite 247 sei nur rasch angemerkt, dass unter Sis sehr wohl „Sister“ also seine Schwester Rebecca zu verstehen ist und nicht, wie fälschlich übersetzt wurde, Xi.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Operation Red Jericho
- ISBN: 978-3-7915-1360-7
- VERLAG: Cecile Dressler Verlag
Weiters bereits auf Deutsch erschienen: Band 2 – Die Gilden Chronik: Operation Taifun
„Das kleine Ich bin Ich“ – Mira Lobe September 15, 2008
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Auf der bunten Blumenwiese geht ein kleines Tier spazieren. Es ist kunterbunt und froh wie die Maus im Haferstroh, bis… Bis zu jenem verhängnisvollen Tage, als ein kleiner grüner Laubfrosch vor des kleinen bunten Tiers Füße hüpft und dasselbige danach fragt, wer es eigentlich ist. Das kleine bunte Tierchen hatte sich bis dato keine Gedanken darüber gemacht, immerhin wurde es auch nie durch solch eine plumpe Frage aus den Gedanken gerissen. Es überlegt natürlich eine Weile, aber als sie schließlich gestehen muss, nicht zu wissen „wer“ es eigentlich ist, bekommt sie eine weniger nette Antwort präsentiert.
Der grüne Geselle quakt neunmalklug:
„Wer nicht weiß, wie er heißt, wer vergisst, wer er ist, der ist dumm. Bumm.“
Und wie es eben sein muss, glaubt sich das kleine Tierchen verloren und versucht nun mit aller Macht herauszufinden, „wer“ es denn ist. Es begibt sich auf eine lange Reise und begegnet da auch allerlei Getier. Und obgleich es nicht leugnen kann, dass es gewisse Ähnlichkeiten gibt, ist keines dabei, das ihm wie die Faust aufs Auge gleicht.
Da trifft es etwa auf die Pferdemutter mit ihrem Kind und glaubt schon, ein Pferd zu sein, immerhin hat sie auch solch eine schicke Pony-Fransen-Frisur, aber seine kleinen Stampferbeinchen passen nicht so recht zu den Pferdestelzen, wohl eher aber zu einem Nilpferd, aber das hat ja wohl keine Dackelohren.
So stromert das kleine bunte Tier weiter und gelangt auch mal zum arroganten Papagei, der beinahe von der Stange fällt, als ihm das Tier mit Pony-Fransen, Stampferbeinchen, Dackelohren und kariertem Fell fragt, ob es denn ein Papagei sein könnte.
Nachdem die Zeit vergeht und das kleine Tier niemanden findet, der ihm gleicht, sondern immer nur welche, die besonders verschieden sind, fragt es sich, ob es denn nun wirklich gar niemand sei?
„Nur ein kleiner Irgendeiner?“
Während es schon fast der Verzweiflung nahe ist, schaltet sich zum Glück die Vernunft ein, denn es ist doch wer, ein dackelohriges auf Stampferbeinen durchs Leben gehendes kariertes Tier mit Pony-Fransen Frisur, oder kurz:
ein „Ich bin Ich“
Fazit:
Mira Lobe als Autorin und Susi Weigel als Illustratorin ist es gelungen, ein besonders schwieriges Thema auf sehr unkonventionelle Art zu lösen. Und es ist gerade richtig, dass das 1972 geborene „Ich bin Ich“ auch heutzutage noch in so manchem Kinderzimmer auftaucht. Oder gibt es eine schönere nettere Möglichkeit, den kleinen Erdenbürgern zu zeigen, dass sie nicht nur „irgendwer“ sondern jemand besonderes und einzigartiges sind?
Denn schon auf der erste Seite erkennt man gleich, dass das kleine bunte Tierchen nicht ein „Irgendeiner“ sein kann, es hebt sich von der Masse ab und ist ein „wer“ oder eben ein „Ich bin Ich“. Natürlich ist es schwer, bis dass man so etwas selbst entdeckt und so machte sich sicherlich schon so mancher von uns auf den Weg, um herauszufinden, wer er denn ist. Aber bekam er denn die richtigen Antworten von anderen? Nein, wie das kleine „Ich bin Ich“ stießen wir alle sicherlich auf Zurückweisung, Spott und manchmal eben auch auf Hilfsbereitschaft. Und während wir dann am Schluss beinahe verzweifeln mochten, kam dann doch irgendwie die Erkenntnis, dass man jemand ist und nicht etwa nur ein „Irgendjemand“.
Ein wunderschönes Buch mit wunderbaren Illustrationen aus dem besonderem Gespann bestehend aus Mira Lobe und Susi Weigel, das einfach in keinem Bücherregal fehlen darf.
Und besonders wunderbar ist die quietschknallpinke Bastelanleitung auf den Umschlagsseiten, mit der es jedem leicht gelingt, ein kleines persönliches „Ich bin Ich“ in die Welt zu setzen.
„Annika und der Stern von Kazan“ – Eva Ibbotson September 15, 2008
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Zuallererst einmal zur Autorin:
Scheinbar ist es irgendwie die Regel, dass man als AutorIn mit einem dermaßen schrecklichen bürgerlichen Namen gesegnet wird, sodass man ihn sogleich ändert. Bei Eva Ibbotson war das meiner Meinung nach nicht der Fall. Im Jahre 1925 geboren, tauften sie ihre Eltern auf den Namen Maria Charlotte Michelle Wiesner – eigentlich ja gar nicht so schlimm oder?
Schlimmer wären da schon Konstanze, Kunigunde, etc. pp. So aber änderte sie ihren Vornamen in Eva und heiratete nach ihrer Emigration nach Großbritannien (damals mit ihren Eltern, also noch ein paar Jahre später) mal schnell ihren Kollegen Alan Ibbotson (immerhin blieb ihr so die Suche nach einem geeigneten Nachnamen erspart).
Geboren wurde Eva bzw. Maria Charlotte Michelle in Wien, einer Stadt, die bekanntlich auf „Vienna“ hört und mitten in Österreich liegt, nun vielleicht nicht ganz so mittig, aber die Stadt war zumindest Mittelpunkt der Geschichte und diese dreht sich um Annika.
Annika ist ein Findelkind, aus irgendeinem Grund blieb es ihr versagt, bei ihrer Mutter groß zu werden und sie wurde von dieser in einer Kirche ausgesetzt. Zu ihrem Glück wurde sie von der Professorenköchin Ellie und der Haushälterin Sigrid gefunden und nach Wien gebracht. Unter der Herrschaft von Kaiser Franz Josef I (so um das Jahr 1900 herum) wächst das Findelkind mal die nächsten zwölf Jahren zu einem fröhlichen mutigen lustigen gesunden Mädchen heran. Zum einen liegt das wohl an der schönen Umgebung, zum anderen sicher auch an der mütterlichen Sorgen von Köchin Ellie und Haushälterin Sigrid und eventuell haben auch die drei Professoren positiv zur Entwicklung Annikas beigetragen, sicherlich aber auch ihre vielen Freunde.
12 Jahre lang war also alles in bester Ordnung, bis Annika eines Tages das Haus betritt und sich ihr ganzes Leben auf einen Schlag ändert. Edeltraut von Tannenberg, eine Aristokratin durch und durch, taucht plötzlich auf und will in Annika ihre verloren geglaubte Tochter gefunden haben. Was zuerst den täglichen Träumen von Annika über die wiedergefundene Mutter ähnelt, entpuppt sich jedoch bald nicht gerade als glänzendes Gold.
Zuerst aber fährt Annika mit ihrer neu gewonnenen Mutter nach Großpriesnitz, einem Herrensitz mitten in Nordostdeutschland. Hier findet sie nicht nur ihren Halbbruder Hermann, sondern auch ein herrschaftliches Haus, das jedoch unter ein paar Mängel zu leiden hat. Wasser tropft von den Wänden und der Decke, ständig verschwinden mehr Bilder und Möbel, die Läufer sind durchgetreten und das wenige Personal ist schlecht bezahlt und gelaunt.
Eigentlich nicht gerade der richtige Aufenthaltsort für die junge Dame Annika, wäre da nicht Zed. Zed, ein Zigeunerjunge und eigentlich Träger eines langen und komplizierten Namens, ist der Stallbursche der Familie Tannenberg. Und während er für diese nur ein Dienstbote ist, ist er für Annika schon bald ein sehr guter Freund. Nur durch Zed und Hermanns Rassepferd Rocco (eigentlich auch Träger eines sehr komplizierten und langen Namens) und den armen verkrüppelten Hector, dem ehemaligen Hund von Hermann, ist für Annika das Leben auf Großpriesnitz erträglich. Doch die Freundschaft der vier steht nicht gerade unter einem guten Stern, immerhin gebührt es sich für eine von Tannenberg nicht, dass man sich mit Dienstboten abgibt, gerne kocht und putzt und dem niederen Volk auch noch auf andere Weise zur Hand geht.
Obgleich Annika ihrer wiedergefundenen Mutter in keinster Weise widersprechen möchte, kann sie auf den Umgang mit ihren neuen Freunden nicht verzichten und so trifft man sich eines Tages zu einem Spaziergang am Seeufer. Dort findet die kleine Gemeinschaft die verblichene Fotografie eines glücklichen Ehepaares. Als Annika dieses alte, schon leicht beschädigte, Bild genauer betrachtet, erkennt sie darin jenes wieder, das sie schon einmal in Wien zu Gesicht bekommen hat.
Es handelt sich um die Abbildung ihrer alten Freundin, der Großtante der Familie Eckhardt, die Schwalbe, die bekannte und berühmte Schauspielerin. Jedoch war das Bild damals gut aufgehoben und pflegte nicht am Seeufer eines Gewässers in Großpriesnitz herumzuliegen. Nein, die Großtante bewahrte diesen Schatz gemeinsam mit ihren anderen Kostbarkeiten in ihrem alten Koffer auf. Dieser enthielt neben einigen alten Bühnenkleidern auch einige Juwelen, wobei es sich jedoch, so wurde Annika damals von der alten Dame versichert, lediglich um Kopien wertvoller Schmuckstücke handelte. Denn im Laufe ihrer Schauspieltätigkeit bekam die Dame vielerlei wertvolle Juwelen von ihren Verehrern geschenkt, die sie dann in schlechten Jahren an einen Juwelier verkaufte und im Gegenzug dazu von diesem Kopien erhielt.
Annika steht vor einem Rätsel, das Foto taucht dort auf, wo es niemals hätte sein können und dürfen. In ihrer Not wendet sich das Mädchen an ihre Mutter, diese teilt ihr mit, dass die alte Dame Annika ihren gesamten Besitz vermacht hat. Jedoch sei dieser niemals in Großpriesnitz angelangt. Somit gibt es nur eine Möglichkeit, den Verlust zu erklären, jemand hat die Juwelen für echt gehalten und den Koffer gestohlen. Annikas Mutter und ihr Onkel finden sogleich den richtigen Sündenbock – Zed, immerhin ja ein Zigeunerjunge und sicherlich auch mit langen Fingern. Natürlich glaubt Annika, dass es sich nur um ein Missverständnis handeln kann, denn weder ihre Mutter noch ihr Onkel könnten sich irren, geschweige denn würde Zed so etwas gemeines tun, oder würde er? Um Gewissheit zu erlangen, macht sich Annika so bald wie möglich auf den Weg, um Zed zur Rede zu stellen, doch der ist schon längst über alle Berge. Gemeinsam mit Rocco ist er verschwunden, einzig Hector wurde zurückgelassen.
Zed flieht Richtung Ungarn, um sich seiner „Familie“ anzuschließen, jedoch erinnert er sich an die Freundschaft Annikas und macht sich auf den Weg, das Missverständnis aufzuklären. In Bad Bernau erhält er den richtigen Hinweis. Nun, da er die Wahrheit kennt, müsste er eigentlich Annika retten, doch diese würde ihm sicherlich keinen Glauben schenken, immerhin wären Personen in diesen Machenschaften verwickelt, denen Annika ihr Leben anvertrauen würden. Alleine ihrer grenzenlosen Freundschaft ist es zu verdanken, dass sich Zed schlussendlich doch nach Wien aufmacht, um den Fall aufzuklären. In Wien angekommen, versetzt sein Bericht die Professoren, Ellie, Sigrid, und all die anderen in Aufregung. Ellie macht sich kurzerhand auf den Weg, um Annika besuchen, doch Annika ist in Großpriesnitz nicht mehr auffindbar. Sie wurde von Frau von Tannenberg in ein Internat verfrachtet. Dort wird sie wie eine Gefangene behandelt und verliert zusehends ihre Lebensfreude.
Ein Grund mehr natürlich für ihre Freunde, sie aus den Fängen dieser Knechtschaft zu befreien. Und so gelingt es schlussendlich doch das Rätsel zu lösen und durch die Stimmkraft des Hofrats Eckhardt wendet sich für Annika alles zum Guten.
Fazit:
Eigentlich für Mädchen und Jungen ab 10, hat das Buch ziemlich spät den Weg zu mir gefunden. Und ich kann es sämtlichen jungen Freunden (und jung gebliebenen) weiterempfehlen. Während ältere und belesene Persönchen wohl den harten Kontrast zwischen der guten bürgerlichen Bevölkerung und dem schlechten und gemeinen Adel (bis auf wenige Ausnahmen) etwas kritisieren könnten, ist es vor allem die Sprache, die so schnell jeden, der dazu bereit ist, in den Bann zieht. Die schillernden und detailreichen Beschreibungen der Hauptstadt Österreichs bieten für einen heimatliebenden Österreicher, wie in meinem Fall, einen lustigen und köstlichen Kontrast zum grauen, matschigen und stinkenden Preußen. Man wandelt mit Annika auf den Wegen Wiens, genießt den Blumenduft und isst köstlichen Marmorgugelhupf, während man hingegen in Großpriesnitz und Umgebung Schwefelschwaden einatmet und verrunzelte Runkelrüben zu Mittag speist.
Dass die Autorin eine Liebeserklärung an ihren Geburtsort Wien geschrieben hat, ist nicht verwunderlich. Jeder, der die Hauptstraßen Wiens verlässt und sich ein bisschen weiter in die Stadt begibt, findet sich rasch an den beschriebenen Orten wieder. Natürlich wird auch einiges beschönigt und sicherlich ist manches nicht so traumhaft wie beschrieben, aber hier geht es ja schlussendlich um eine Geschichte und keineswegs um einen Tatsachenbericht.
Und wenn dann auch noch der Kaiser aus der Kutsche winkt, die Lipizzaner ihren Tanz aufführen, will man gar nicht mehr weg.
Mit Annika und der Stern von Kazan ist Eva Ibbotson ein weiteres gutes Buch gelungen, das sicherlich in einiger Zeit in keinem Kinderzimmer bzw. Klassenzimmer mehr fehlen wird.
Und nachdem ich nun mit diesem Buch erst mit Eva Ibbotson in Kontakt gekommen bin, muss ich wohl das Pflichtprogramm noch erfüllen und mich wohl mal an das Kultwerk: „Maia oder als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf“ machen. (c:
Immerhin will man ja wissen, wovon man spricht.
„Insu-Pu – Die Insel der verlorenen Kinder“ – Mira Lobe September 15, 2008
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Was haben Eva Ibbotsons „Annika und der Stern von Kazan“ und Mira Lobes „Insu-pu“ gemeinsam? Nicht etwa, dass sie großartige Kinderbücher sind, von zwei, zumindest irgendwann einmal in Österreich ihren Sitz gehabten, Autorinnen geschreiben, nein sie haben etwas anderes auch gemeinsam.
Auf Seite 185 lauerte es auf mich, sprang mich an und … Wer oder was, fragt der eiserne Kritiker meiner Schreibwerke, komm doch auf den Punkt, setzt man schlussendlich nach. Hektor, der Hund, mag er auch in „Annika und der Stern von Kazan“ sicherlich öfter vertreten sein, als im Traum eines jungen „Mörders“. In „Insu-pu“ tauchte er aber nicht in der Gestalt eines wunderschönen schlauen Polizeihundes auf, der Mörder entlarvt, nein er mag es noch aufgrund der geschriebenen Zeilen tun, aber für mich war es ein dreibeiniger, halbblinder, stummelschwänziger Cockerspaniel und kein noch so schöner Schäferhund oder dergleichen.
Natürlich dreht sich auf der Insula puerorum, schönes einfaches Latein und in etwa „Insel der Kinder“, nicht alles um Hektor, vielmehr taucht er erst auf Terranien auf und dort auch nur um kurz einmal an einem „Mörder“ zu schnuppern und ihn zu entlarven, um ihn anschließend dabei zu betrachten, wie er aus dem Fenster des Flugzeuges zu springen hat.
Nein, eigentlich handelt es sich um eine Geschichte rund um Michael, Stefan, Thomas, Oliver, Diana, Sepp, Bobo und wie sie alle noch heißen, die Kinder, ganz gleich ob Menschenskinder oder Tierkinder. Auf jeden Fall sind elf – pardon – zwölf auf einer einsamen Insel gefangen und kämpfen um ihr Überleben und den Fortbestand einer eingefleischten Gesellschaft, während ein anderer versucht nicht an ihren Tod zu glauben, sondern sie zu finden
Aber nun einmal zurück zu Beginn, immerhin packt man die Katze auch nicht gleich am Schwanz.
In Urbien herrscht Krieg. Deswegen sucht man nach einer Möglichkeit, die Kinder von der Gefahr fern zu halten und ihnen ein sorgenfreies Aufwachsen zu ermöglichen. Stefan und Michael, der eine ein Doktorsohn, der andere ein Präsidentenenkel, ist es zu verdanken, dass die urbischen Kinder übers Meer nach Terranien in Sicherheit gebracht werden. Vier Schiffe werden kurzerhand in schwimmende Kinderheime verwandelt und machen sich auf den viertägigen Weg nach Terranien.
Leider aber läuft das Leitschiff der kleinen Flotte auf eine Mine und sinkt. Man macht sich natürlich rasch an die Rettungsaktion, unglückliche Zufälle aber ist es zu „verdanken“, dass sich ein Rettungsboot mit Kindern an Board aufs weite Meer verirrt. Wie so oft hat aber das Pecht wieder einen kleinen Beutel an Glück auf dem Rücken geschnallt und die Kinder sind nicht etwa verloren, sondern stehen vor dem Beginn des größten Abenteuers ihres Lebens – sie stranden auf einer einsamen Insel.
Und diese gehört ganz alleine den Zwölfen, dem dreckigen, speckigen Dutzend, das aus Kindsköpfen Pudding isst, usw.
Und älter Leser mögen hier wohl versucht sein, Parallelen zu „Herr der Fliegen“ von William Golding zu ziehen, aber jüngere Leser werden wohl diesem Umstand nicht länger Beachtung schenken. Immerhin ist die Insu-Pu keineswegs mit der Insel, auf welcher die Jungen aus „Herr der Fliegen“ ihr Unwesen treiben, vergleichbar. Auch ist die Gesellschaftsstruktur nicht ganz so angeknackst, nein diese Jungen haben einen Vorteil.
Auf Insu Pu sind sie nur zu siebent und sie haben das Glück, dass vier Mädchen ihrer Gemeinschaft genügend Vernunft schenken. *grins* Mir sei mal dieser kleiner Seitenhieb erlaubt. Aufmerksame Leser, werden natürlich anmerken, dass ich doch die elf (7+4) auf zwölf korrigiert habe, nun das liegt darin begründet, dass die kleine Familie der bis 15-jährigen Nachwuchs bekommen haben – und zwar in Form eines kleinen Affen namens Bobo.
Aber natürlich herrscht nicht sofort eitler Sonnenschein auf einer einsamen Insel, nein ein Unterschlupf muss gefunden, es muss gekocht, gearbeitet, gelebt, gefeiert, gespielt, gelernt,… etc. werden. All das ist natürlich nur möglich, wenn eine gute und solide Gesellschaftsstruktur gefunden wird. Und die ist auf Insu-Pu so einfach wie noch nie, jeder macht, was er kann, und lernt, was er nicht kann. So wird dann auch aus einer hochnäsigen Baronesse schnell mal eine Fabriksarbeiterin. Kurzum, man organisiert sich einen „Anführer“ – Oliver, seines Zeichens Pfadfinder und schon extrem alt und weise und verteilt die weiteren Aufgaben je nach Talent des Kindes und schon ist der Kinderstaat geboren. Mit der Zeit und mit der Not wachsen die Kinder so zu einem gut funktionierenden System zusammen, man sorgt sich um jedermann und sorgt für jedermann. In der Zwischenzeit fließt einiges Wasser in Terranien den Fluss hinunter. Während die Erwachsenen beim Eintreffen der um 11 Kinder reduzierten Schar noch um die Verlorenen trauern, ist dies eigentlich schon einige Zeit später für alle vergessen. Für alle – nein ein kleiner 12-jähirger Junge weigert sich, daran zu glauben, dass die Kinder tot sind und macht sich daran die Großen zu überzeugen. Leider beißt er zusehends auf Granit und wird zum Schluss kurzerhand auf ein Internat verfrachtet, wo er nun mal überhaupt keine Möglichkeit hat, den verlorenen Kindern zu helfen. So entschließt er sich kurzerhand zur Flucht, die jedoch kein so glückliches Ende nimmt, was aber seinem Ehrgeiz keinen Abbruch tut. So sucht er nach einem geeigneten Weg, den Kindern zu helfen und schlussendlich findet er doch noch einen Vertrauten unter den Großen. Gemeinsam werden sie es doch schaffen, oder?
Über die Autorin:
Mira Lobe fand schon früh den Weg in mein Kinderzimmer. „Ich bin Ich“, „Die Geggis“, „Der kleine Troll und der große Zottl“, pflegten sich die ersten gut 10 Jahre meines Lebens auf meinem Bücherregal zu tummeln. Immerhin war es ja eigentlich die Pflicht, Mira Lobe zu lesen, die bedeutende, wenn nicht sogar eventuell die bedeutendste, Kinderbuchautorin Österreichs. Mira Lobe wurde am 17. September im Jahre 1913 in Görlitz, einem Ort in Schlesien, das wiederum in Polen liegt, geboren, zu diesem Zeitpunkt hörte sie jedoch noch auf den Namen Hilde Mirjam Rosenthal. In einer Zeit, in der sie es als jüdisches Mädchen besonders schwer hatte, interessierte sie sich schon bald für die Schriftstellerei, ihr blieb jedoch aufgrund ihrer Abstammung das Studium von Germanistik und Kunstgeschichte untersagt. Als sich die Situation im Laufe der Zeit förmlich aufwiegelt, entscheidet sie sich für Palästina und im Jahre 1936, bricht sie auch ihre Zelte nieder und wandert aus. Dort findet sie dann den Schauspieler und Regisseur Friedrich Lobe und heiratet ihn. Und das ist wohl einer der wichtigsten Angelpunkte in ihrem Leben als Schriftstellerin. 1943, als sie mit ihrer Tochter Claudia schwanger ist, beginnt sie zu schreiben. Um schließlich 1948 „Insu-Pu“ erscheinen zu lassen, damals zwar noch auf Hebräisch, aber 1951 folgte es dann auf Deutsch. Die Autorin, die mit soviel Wärme ihre Bücher schrieb, verbrachte die meiste Zeit in ihrem Wahlheimatsort Wien und verstarb 1995, bleibt aber für jeden freudigen Leser, für immer unvergessen.
Fazit:
Oh ja, ich liebte das 5. Entlein, Bärli Hupf, Bondi-Mädels, Titi, die Omama, die im Apfelbaum lebte, Pepi und Pipa, Eli Elefant, den kleinen Drachen Firdolin und alle anderen. Ich hab sie nicht nur gelesen, sondern förmlich gefressen. Jedoch habe ich es nie geschafft, das erste veröffentlichte Buch in die Hände zu bekommen, bis es mir bei einem meiner Buchhandlungsbesuche förmlich vor die Füße purzelte und um nichts möchte ich es missen. Mira Lobe gelingt es schon hier, eine fesselnde Geschichte zu erzählen, die einem genauso gefangen hält, wie all die anderen Bücher. Besonders viel Arbeit legte sie in die Darstellung der Charaktere, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Und vor allem, weil sie alle Facetten mitberücksichtigt, ermöglicht sie es jedem, sich mit einem der Kinder zu identifizieren. Und so schlüpft man schon nach wenigen Momenten in die Rolle, sei es als fleißiger Arbeiter, sportliches Schlangenmädchen, neunmalkluger Professorensohn oder als verwöhnte Baroness. Und es wäre natürlich kein echtes Mira-Lobe-Werk, wenn es nicht auch noch einen besonderen Fingerzeig inne hätte. Und so erkennt man schnell, dass jeder jemand Besonderes ist und dass vor allem die Gemeinschaft eine unumstößliche Stärke besitzt. Auf jeden Fall ein sehr gutes Buch und wenn schon Ähnlichkeiten zu „Herr der Fliegen“ bestehen, so bin ich froh, dass diese so gut für junge Leser umgesetzt wurden.



