„Der Duft der Farben“ – Preethi Nair Oktober 19, 2008
Posted by besue in Romane & Erzählungen, Romane und Schmöker.Tags: Preethi Nair, Romane & Erzählungen, Romane und Schmöker
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Manchmal kann es vorkommen, dass man nicht das Leben lebt, von dem man einst träumte, dass es für einen bestimmt sei. Stattdessen muss man sich Konventionen unterordnen, wird durch Regeln geleitet und darf nur das vollbringen, wovon andere meinen, dass es gut für einen sei.
So geht es auch Nina. Als Tochter indischer Eltern, gibt es für sie mehr Erwartungen, die erfüllt werden, mehr Regeln, eingehalten werden und mehr Aufgaben, die hinter sich gebracht werden müssen. Sie hat es nicht leicht, gemäß der Forderung ihres Vaters, der sich nur ein besseres Leben für sie wünschte, hat sie auf ihren Traum, Malerin zu werden, verzichtet und vertritt als Anwältin Künstler – zumindest hier ist ihr Traum nicht ganz verloren gegangen. Als Nina der Trostlosigkeit, Falschheit, Oberflächlichkeit,… ihres Lebens bewusst wird, macht sie sich daran, ein Versprechen einzulösen, dass sie Ihrer Freundin Ki, die damals im Alter von 26 Jahren an Krebs verstarb, gegeben hat. Sie nimmt all ihren Mut zusammen und versucht der Eintönigkeit ihres Lebens, in das man sie wie in einem Korsett geschnürt hat, zu entfliehen.
Von den Ketten ihres bisherigen Lebens gelöst – einem kurzzeitigen Nervenzusammenbruch ist es zu verdanken, dass sie nun bereit ist, ihr bisherigen Leben zu ändern – führt sie nun ein Doppelleben. Den Eltern, dem heiratswilligen Inder und seinen Verwandten gegenüber gibt sie sich noch immer als karriereorientierte Anwältin, doch in Wahrheit verbringt sie Tag für Tag in der Londoner Tate Galleri und lässt sich von den Gemälden von Matisse bezaubern. Dort trifft sie auf Gina, eine australische Künstlerin, die ihr ermöglicht, einen ihrer größten Träume zu erfüllen. Sie überlässt ihr für die kommenden Monate das Atelier. Endlich hat Nina somit die Möglichkeit, der Mensch zu sein, der sie wirklich ist. Sie widmet sich tagsüber ihrer Leidenschaft und geht in den Farben auf. Beeinflusst von der Musik von Madame Butterfly und den Erinnerungen an ihre beste Freundin Ki schafft sie ein Bild, das sie mit „ForUKi“ (Für dich Ki) signiert.
Und hier beginnt ein stetig reißender werdender Fluss von Zufällen, Zeichen, die aufeinander treffen. Ein bekannter Galerist ist von dem Gemälde derart begeistert, dass er Interesse an dem seiner Meinung nach japanischen Künstler hegt und näheres über ihn in Erfahrung bringen möchte. Nina steht nun vor einem Scheideweg, gibt sie die tatsächliche Herkunft des Bildes preis oder verliert sie sich einem Lügengestrick. Wie sie sich auch entscheiden mag, sie ist längst nicht mehr jener Mensch, der sie einmal war, reifer geworden und vor allem auch selbstbewusster, trifft sie auf neue Mitmenschen, die ihr weiteres Leben bestimmen.
Über die Autorin:
Preethi Nair ist eine britische Schriftstellerin mit südindischen Wurzeln, die sich vor allem in ihren Werken wiederspiegelt. Als ihr erstes Buch nicht veröffentlicht werden wollte, machte sich selbst ans Werk, eröffnete eine PR-Schmiede um ihr Werk zu promoten und brachte es als Selbstverlag unter dem Pseudonym „Pru Menon“ an die Öffentlichkeit. Ihr Alter Ego gewann mit dem Buch nicht nur Anerkennung sondern auch weltweit anerkannte Preise.
Fazit:
In „Der Duft der Farben“ prallen unterschiedliche Kulturen und Lebensansichten aufeinander. Eine Frau kämpft nach Anerkennung und muss sich schlussendlich doch wieder vor der Außenwelt verstecken, um den richtigen Weg zu finden. Die Charakterzeichnungen sind wunderbar vielschichtig und liebenswert, sodass sich der Leser gerne mit ihnen identifiziert.
Was dem Buch vor allem wertvolle Authentizität schenkt, sind die Parallelen zum Leben der Autorin selbst, wenn es sich in ihrem Fall auch um ein Buch handelte und nicht um Gemälde. Insgesammt ein wunderbares Märchen darüber, wie eine Frau zu sich selbst findet.
Buchdetails:
- ORIGINALTITEL: Beyond Indigo
- ISBN: 3-426-63668-9
- VERLAG: Droemer-Knaur / Knaur TB